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Im Podcast Aus dem Cafésatz spricht Zsolt Janos über tägliche Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Komplexe Zusammenhänge werden klar, nachvollziehbar und mit langjähriger Erfahrung auf den Punkt gebracht.
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19.11.2025
Zwei Wolken über den Märkten lösen Verunsicherung aus
In den vergangenen Tagen sind zwei große Wolken über den Märkten aufgezogen – und sie sorgen spürbar für Verunsicherung. Zum einen hat die große AI-Story erste Kratzer bekommen und bekommt zunehmend echte Konkurrenz. Zum anderen scheint die Liquidität im System zu sinken und gleichzeitig teurer zu werden.
Wenn die Zinsen nicht fallen, trifft das zuerst die spekulativen und schwächeren Werte – das wissen wir eigentlich längst. Neu ist also wenig, aber der Markt schaut jetzt deutlich genauer hin.
Und wie so oft gilt: Die Wolken können sich wieder verziehen, sher oft deutlich schneller als wir glauben. Doch bis dahin bleibt der Himmel über den Börsen etwas grauer als gewohnt.
Die im Podcast besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung. Der Vortragende kann das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen. Wer sich aufgrund des im Podcast Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten / Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Der Vortragende kann daher keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des im Podcast Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.
Zusammenfassung
Zwei Wolken über den Märkten lösen Verunsicherung aus
In der aktuellen Kapitalmarktsituation beobachten wir zwei Faktoren, die für Verunsicherung sorgen. Zsolt Janos beleuchtet in diesem Beitrag, wie sich diese „Wolken“ auf die Märkte auswirken könnten und worauf Anleger achten sollten.
Google: Stille Erfolge statt lauter Schlagzeilen
Oftmals sind es nicht die Unternehmen, die am lautesten trommeln, die am erfolgreichsten sind. Ein Paradebeispiel hierfür ist Google. Das Management agiert in vielen Bereichen ruhig und besonnen, was sich langfristig auszahlt. Warren Buffetts Berkshire Hathaway hat dies erkannt und eine 4,3 Milliarden Dollar Position in Google aufgebaut.
Während Tesla mit Elon Musk ständig in den Schlagzeilen ist, vor allem um Kapital einzusammeln, hat Google im Bereich der Robo-Autos mit Waymo die Nase vorn. Waymo hat deutlich mehr Kilometer abgespult, verwendet eine andere Technologie und hat viel mehr Autos im automatisierten Mobilitätsbereich im Einsatz.
Zudem hat Google kürzlich eine neue Version von Gemini präsentiert, eine immer stärkere Konkurrenz zu ChatGPT. Die Zahlen von Google sind dabei deutlich realer und transparenter als die des nicht börsennotierten OpenAI.
Zirkelfinanzierer im KI-Universum: Vorsicht vor dem Hype
Die Künstliche Intelligenz (KI) ist derzeit ein heißes Thema, doch es ist Vorsicht geboten. Die Finanzierungsrunden einiger Unternehmen werfen Fragen auf. So hat Antropic Beteiligungen von Microsoft (5 Milliarden Dollar) und Nvidia (10 Milliarden Dollar) erhalten. Aktuell wird Antropic auf etwa 350 Milliarden Dollar geschätzt, obwohl das Unternehmen nicht börsennotiert ist.
Interessant ist, dass Antropic im Gegenzug verspricht, 30 Milliarden Dollar in Azure, die Cloudkapazität von Microsoft, zu investieren. Microsoft ist somit sowohl in Antropic als auch in OpenAI investiert. Nvidia profitiert ebenfalls, da Antropic im Gegenzug 1 Gigawatt Chipkapazitäten abkauft. Diese hohen Margen, die Nvidia damit einstreicht, müssen aber letztendlich von den Endkonsumenten bezahlt werden. Die Frage ist, ob die Geschäftsmodelle der Chipkäufer diese hohen Margen rechtfertigen können.
Die gestiegene Verunsicherung rührt daher, dass die KI-Story angekratzt ist und Zirkelfinanzierungen nicht mehr wie früher zu Kurssteigerungen führen.
Zwei „Wolken“ über den Märkten
Zusammenfassend lassen sich zwei Hauptgründe für die aktuelle Verunsicherung identifizieren:
- Die angekratzte KI-Story: Der Hype um KI flacht ab, und Anleger hinterfragen die Geschäftsmodelle kritischer.
- Unsicherheit bezüglich Zinssenkungen: Immer mehr FED-Mitglieder äußern Zweifel an einer baldigen Zinssenkung. Hinzu kommt, dass die Liquidität im Interbankenbereich sinkt, was vor allem Unternehmen mit hohem Finanzierungsbedarf trifft. Die Reverse Repo Reserven, die nach der Covid Phase mit 2,5 Billionen Dollar geschaffen wurden, sind nahe Null.
Das Problem mit verlustreichen Start-ups: Ein Erklärungsversuch
Um die Problematik rund um verlustreiche Start-ups im KI-Bereich zu veranschaulichen, führt Zsolt Janos ein fiktives Gespräch mit seinem Sohn. Stellen Sie sich vor, ein Freund gründet ein Start-up und bittet um finanzielle Unterstützung. Das Unternehmen wird voraussichtlich 8-10 Jahre Verluste schreiben und benötigt zusätzlich 1,3 bis 1,5 Billionen Dollar an Investitionen. Würden Sie investieren?
Die kritischen Fragen sind: Was macht das Unternehmen mit dem Geld? Wie bekommen Investoren ihr Geld zurück? In der Euphoriephase rund um ChatGPT haben Banken und Anleger diese Fragen oft nicht gestellt und die Finanzierung ermöglicht.
Es gibt zwei mögliche Exit-Szenarien für solche Start-ups:
- Börsengang: Das Unternehmen wird aufgeblasen und an die Börse gebracht, um Gewinne zu erzielen.
- Too Big to Fail: Das Unternehmen baut eine so große Infrastruktur auf, dass im Falle einer Krise der Staat einspringen muss.
Die Alternative: Solide Werte im Portfolio
Anstatt sich ausschließlich auf spekulative Themen zu konzentrieren, sollten Anleger auch solide Blue-Chip-Werte in ihrem Portfolio berücksichtigen. Diese Unternehmen schreiben keine Verluste, liefern einen Mehrwert und sind Teil unseres täglichen Lebens.
Ein Beispiel hierfür ist McDonald's. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt etwa 2,3 Prozent. Wer die Aktie jedoch bereits 1990 für 3,9 Dollar gekauft hat, erhält heute eine Dividende von 160 Prozent auf seine ursprüngliche Investition. Zudem ist der Kurs von McDonald's von 3,9 Dollar auf aktuell 304 Dollar gestiegen.
Solche Unternehmen bringen Ruhe in das Portfolio und sollten den Großteil der Investitionen ausmachen, während spekulative Themen lediglich als Satelliten dienen.
Fazit
Die aktuellen Verunsicherungen an den Märkten sind auf eine angekratzte KI-Story und Unsicherheiten bezüglich Zinssenkungen zurückzuführen. Anleger sollten sich nicht von Hypes blenden lassen, sondern kritisch hinterfragen und auf solide Werte in ihrem Portfolio setzen.
Es ist wichtig, die Fakten zu suchen und nicht nur den Geschichten zu glauben. Transparenz und solide Geschäftsmodelle sind entscheidende Kriterien bei der Auswahl von Investments.
Die Abhängigkeit von einzelnen riesigen Anbietern im KI-Bereich birgt Risiken. Ein Ausfall kann massive Auswirkungen haben und die Frage aufwerfen, ob der Staat einspringen muss.
Ein ausgewogenes Portfolio mit soliden Blue-Chip-Werten bietet langfristige Sicherheit und Stabilität.
Disclaimer: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar.
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