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Im Podcast Aus dem Cafésatz spricht Zsolt Janos über tägliche Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Komplexe Zusammenhänge werden klar, nachvollziehbar und mit langjähriger Erfahrung auf den Punkt gebracht.
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06.11.2025
"Wunder" Geschäftsmodelle schalten oft die rationalen Fragen aus
Die Finanzmärkte sind nicht nur Zahlen und Modelle – sie sind auch ein Spiegel unserer Emotionen. Immer wieder erleben wir Phasen, in denen Euphorie oder Angst die Oberhand gewinnen – und die rationale Analyse kurzzeitig auf der Strecke bleibt.
Besonders vorsichtig sollten Anleger werden, wenn plötzlich „neue Geschäftsmodelle“ auftauchen, die so bahnbrechend klingen, dass sie kaum jemand wirklich versteht – und Kritik mit dem Satz abgetan wird: „Du bist einfach nicht schlau genug, um das zu begreifen.“
In solchen Momenten lohnt sich ein kühler Kopf – und die einfache, logische Frage: Wie wird hier eigentlich wirklich Geld verdient?
Die im Podcast besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung. Der Vortragende kann das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen. Wer sich aufgrund des im Podcast Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten / Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Der Vortragende kann daher keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des im Podcast Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.
Zusammenfassung
Wunder-Geschäftsmodelle schalten oft die rationalen Fragen aus
Trump, China und die politischen Schwingungen
Die politische Landschaft bleibt volatil. Nach dem Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping zeichnet sich ab, dass China eine eigenständige Position einnimmt. Die Wahlen in New York, bei denen der von Trump unterstützte Kandidat verlor, signalisieren eine Verschiebung in der Wählerstimmung. Zsolt Janos zieht Parallelen zu den 1920er Jahren, als extreme politische Positionen aufeinanderprallten. Auch in den Swing States verlieren die Republikaner an Boden, während sich die Latinos, einst eine wichtige Wählergruppe für Trump, zunehmend von ihm abwenden. In Virginia sind die Demokraten so stark wie seit 40 Jahren nicht mehr.
Ein weiterer Faktor sind die staatsnahen Bediensteten, die durch Trumps Politik ihren Job verloren haben und sich nun abwenden. Die Frage bleibt: Wer finanziert die Versprechen eines immer kleiner werdenden Kuchens, der immer breiter verteilt werden soll?
Der Supreme Court und die Zölle: Eine Achterbahnfahrt für die Märkte
Der Supreme Court hat die von Trump eingeführten Notstandszölle abgelehnt, was von den Märkten zunächst positiv aufgenommen wurde. Die Börse und die Unternehmen sehen darin die Chance, dass der amerikanische Staat die Zölle zurückzahlen muss. Die Zölle wurden nämlich hauptsächlich von amerikanischen Unternehmen getragen, was ihre Margen schmälert. Obwohl die Margen einiger großer Unternehmen hoch sind, leiden die Unternehmen in der Breite darunter, da sie die Zölle nicht an die Konsumenten weitergeben können.
Allerdings gibt es auch eine Kehrseite: Die Trump-Administration konnte den Anleihenmärkten zeigen, dass der amerikanische Staat aus Zöllen Einnahmen generieren kann. Die Verunsicherung gegenüber amerikanischen Anleihen sank dadurch. Nach der Supreme Court-Entscheidung stiegen die Zinsen für 10-jährige Anleihen sprunghaft an, von 4,05% auf 4,16%. Dies signalisiert, dass die Märkte die steigende Verschuldung des amerikanischen Staates kritisch sehen.
Elon Musk und das Billionen-Dollar-Paket: Ein Schicksalstag für Tesla?
Ein weiteres spannendes Thema ist Elon Musk und sein potenzielles Billionen-Dollar-Vergütungspaket. Die Aktionäre müssen entscheiden, ob sie damit einverstanden sind. Der norwegische Staatsfonds hat bereits signalisiert, dass er dagegen ist. Es wird spekuliert, dass sich Musk aus Trotz zurückziehen könnte, wenn er das Paket nicht erhält. Die Kernfrage ist: Hat Tesla genug Substanz, um auch ohne Musks "Humpty Dumpty Shows" zu bestehen? Oder ist das Unternehmen zu stark auf seine Person zugeschnitten?
Zudem sieht sich Tesla wachsender Konkurrenz aus China und Europa ausgesetzt. Die Verkaufszahlen sind in Europa um rund 50% im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die gepushte Nachfrage nach Elektroautos normalisiert sich.
OpenAI: Umsatz vs. Verluste und die Frage der Nachhaltigkeit
Die Aussagen von Sam Altman, dem CEO von OpenAI, werfen Fragen auf. Das Unternehmen macht zwar 13 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr, produziert aber gleichzeitig 11 Milliarden Dollar Verlust pro Quartal. Mit dem verbleibenden Geld sollen Rechenkapazitäten in der Größenordnung von 1,5 bis 1,6 Billionen Dollar gekauft werden. Dieses Kreislaufmodell erscheint fragwürdig. Warren Buffett rät zur Vorsicht bei Geschäftsmodellen, die man nicht einfach erklären kann.
Chinas Ansatz bei Künstlicher Intelligenz: Ein anderer Weg
China verfolgt einen anderen Ansatz bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz. Anstatt auf Large Language Models (LLM) zu setzen, die auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen basieren und viel Energie verbrauchen, kreiert China völlig freie, kreative Ansätze. Dieses Modell benötigt weniger Energie. Es bleibt abzuwarten, welches Modell sich langfristig durchsetzen wird.
Wachstumsimpulse: KI als treibende Kraft?
Die Marktbreite, also die Zahl der Unternehmen, die solide wachsen, ist 2025 geringer als 2024. Die Kursanstiege sind jedoch aggressiver geworden, was vor allem auf die KI-Akteure zurückzuführen ist. Eine Harvard-Studie zeigt, dass ohne KI und Datencenter im ersten Halbjahr 2024 kaum Wachstum in den USA sichtbar gewesen wäre. Es ist wichtig, diese Entwicklungen auf dem Radar zu haben.
China und die Chip-Politik: Ein wichtiger Schritt
China hat klar definiert, dass in chinesischen Datacentern keine ausländischen, insbesondere amerikanischen Chips, eingebaut werden dürfen. Dies betrifft auch Schleichwege. Nvidia-Aktien reagierten darauf jedoch mit einem Anstieg, was zeigt, dass die Märkte nicht immer die Fakten einpreisen, sondern von emotionalen Faktoren beeinflusst werden.
Fazit: Emotionen und Rationalität im Kapitalmarkt
Die Analyse von Zsolt Janos zeigt, dass die Kapitalmärkte von einer komplexen Mischung aus politischen Einflüssen, wirtschaftlichen Realitäten und emotionalen Entscheidungen geprägt sind. Es ist wichtig, kritische Fragen zu stellen und sich nicht von "Wunder"-Geschäftsmodellen blenden zu lassen. Die Kunst besteht darin, die Balance zwischen Innovation und Substanz zu finden und sich vor Risiken abzusichern. Bleiben Sie informiert und hinterfragen Sie die zugrunde liegenden Annahmen.