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Im Podcast Aus dem Cafésatz spricht Zsolt Janos über tägliche Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Komplexe Zusammenhänge werden klar, nachvollziehbar und mit langjähriger Erfahrung auf den Punkt gebracht.
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16.12.2025
Was passiert im Silbermarkt?
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts. Der Silbermarkt ist aktuell in aller Munde, und das aus gutem Grund: Mit einem Preisanstieg von über 121 % in US-Dollar innerhalb des letzten Jahres hat das Edelmetall eine Performance hingelegt, die alles andere als gewöhnlich ist. Solche extremen Bewegungen wecken Erinnerungen an frühere Spekulationsblasen oder gar an Gerüchte über Marktmanipulation. Wir gehen den Fragen nach: Wo kommt Silber eigentlich her? Wer sind die Hauptabnehmer, und wer könnte ein Interesse an der Beeinflussung dieses Marktes haben? Tauchen wir gemeinsam in die faszinierende Welt des Silbers ein.
Die im Podcast besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung. Der Vortragende kann das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen. Wer sich aufgrund des im Podcast Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten / Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Der Vortragende kann daher keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des im Podcast Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.
Zusammenfassung
Was passiert im Silbermarkt? Eine Analyse von Zsolt Janos
Viele Anleger konzentrieren sich auf Gold, doch was passiert eigentlich im Silbermarkt? Zsolt Janos beleuchtet in dieser Analyse die aktuellen Entwicklungen, Preistreiber und potenziellen Risiken des "kleinen Bruders" von Gold.
Silber im Aufwind: Ein Blick auf die Kursentwicklung
Silber hat in diesem Jahr eine bemerkenswerte Performance gezeigt. Zu dem Zeitpunkt der Podcast Aufzeichnung ist Silber deutlich über 60 Dollar, war schon bei, glaube ich, in der Spitze 64 60 und ist jetzt bei 63 oder so. Seit Jahresbeginn ist der Silberpreis sogar stärker gestiegen als Gold, ausgehend von rund 30 Dollar. Dieser Anstieg wirft die Frage auf: Woher kommt diese Kursentwicklung und wer treibt sie an?
Die treibenden Kräfte hinter dem Silberpreis
Preise entstehen immer durch die Bereitschaft von Käufern, einen bestimmten Preis zu zahlen. Aktuelle Berichte deuten darauf hin, dass Silber noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht hat und sogar dreistellige Kurse (über 100 Dollar) möglich sind. Solche Prognosen müssen jedoch auch entsprechend "verkauft" werden, insbesondere an spekulative Käufer, die auf kurzfristige Gewinne aus sind.
Silber in der Krise und danach
Wie Gold erlebte auch Silber im Zuge des Covid-Schocks 2020 zunächst einen Kursrückgang. Liquide Positionen werden in Krisenzeiten oft zuerst verkauft. Doch kurz darauf folgte ein rasanter Anstieg. Im Jahr 2020 verzeichnete Silber ein Plus von knapp 48 Prozent.
Die stärkste Performance seit dem Jahr 2000 war im Jahr 2009, nach dem Kollaps von Lehman Brothers, zu beobachten. Nach einem Rückgang von 23 Prozent im Kollapsjahr folgte ein Rebound von knapp 50 Prozent. Im Jahr 2010 kamen sogar nochmals 83 Prozent hinzu, bevor es zu einer starken Korrektur kam. Silber ist also deutlich volatiler als Gold.
Die Kursauswertung für 2025 (Stand 1. Dezember) lag bei 98 Prozent. Inzwischen hat Silber die 100-Prozent-Marke auf Dollarbasis überschritten. Starke Anstiege treten oft dann auf, wenn Unsicherheit in den Märkten herrscht und Fiat-Währungen in Frage gestellt werden.
Silber und die grüne Wirtschaft
Die steigende Nachfrage aus der Industrie, insbesondere im Zusammenhang mit der grünen Wirtschaft, spielt eine wichtige Rolle. E-Mobilität, Photovoltaik und die gesamte KI-Infrastruktur benötigen Silber aufgrund seiner hohen Leitfähigkeit. Allerdings korrodiert Silber, weshalb in bestimmten Anwendungen Gold bevorzugt wird.
Papiernachfrage vs. physische Nachfrage
Die Finanzindustrie hat Silber ab 2023/24 verstärkt über Papierprodukte entdeckt, was zu zusätzlicher Nachfrage geführt hat. Diese Papiernachfrage übt Druck auf den Preis aus. Problematisch wird es, wenn Anleger eine physische Auslieferung fordern, da das Silber auch tatsächlich beschafft werden muss. Die Emittenten von ETFs müssen Silber nicht unbedingt besitzen, sondern können es sich auch nur für eine bestimmte Zeit leihen.
Angebot und Nachfrage: Ein Ungleichgewicht
Im Zeitraum von 2020 bis 2024 war die Nachfrage nach Silber stärker als die Produktion. Jährlich fehlen etwa 150 Millionen Unzen. Insgesamt hat sich ein Defizit von etwa 670 bis 700 Millionen Unzen aufgebaut. Wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot, steigt der Preis.
Silber wird hauptsächlich als Nebenprodukt bei der Förderung anderer Metalle gewonnen. Die Silberproduktion ist zudem aufwändig und dauert im Normalfall ca. 20 Jahre bis eine Mine erschlossen ist. Eine schnellere Produktionssteigerung ist daher kaum möglich.
Die verschiedenen Verwendungszwecke von Silber
Silber hat eine lange Geschichte als Zahlungsmittel. Später wurde es von Gold abgelöst, bevor die industrielle Verwendung in den Vordergrund rückte. Aktuell stagniert oder sinkt die Industrienachfrage leicht, da Unternehmen aufgrund des hohen Preises nach Alternativen suchen. Die Nachfrage aus der KI-Infrastruktur-Produktion ist jedoch gestiegen.
Die größten Silberproduzenten sind Mexiko, China und Peru, die zusammen fast 50 Prozent des Marktes abdecken. Die Jahresproduktion beträgt etwa 800 Millionen Unzen, während jährlich etwa 150 Millionen Unzen fehlen.
Recycling von Silber: Kein Game Changer
Nur etwa ein Prozent des Silberbestandes stammt aus Recycling, da die Rückgewinnung aus Bauteilen oft unwirtschaftlich ist.
Silber kaufen: Physisch oder als Papierprodukt?
Vor dem Kauf von Silber sollte man sich überlegen, ob man es physisch besitzen oder nur als Spekulation im Depot haben möchte.
Manipulationen im Silbermarkt
Silber wurde in der Vergangenheit immer wieder manipuliert, da der Markt kleiner ist als der Goldmarkt und die Zentralbanken weniger Einfluss haben. Ein bekanntes Beispiel ist die Manipulation durch die Brüder Hunt in den 1970er Jahren, die den Silberpreis massiv in die Höhe trieben, bevor die Blase platzte.
Auch im Jahr 2011 kam es zu einer spekulativen Blase, die durch gehebelte Positionen und ETFs befeuert wurde. Regulierungsbehörden griffen ein und der Silberpreis brach massiv ein.
Fazit
Silber ist ein spannender Markt mit hohem Potenzial, aber auch mit erheblichen Risiken. Starke Kursanstiege waren in der Vergangenheit oft mit Spekulationen verbunden. Es ist wichtig, sich der Risiken bewusst zu sein und sich vor dem Kauf umfassend zu informieren. Aktuell gibt es Hinweise darauf, dass große Player, die Silber zuvor geshortet haben, nun Long-Positionen halten, was die Situation verändern könnte. Allerdings sollte man sich nicht von euphorischen Prognosen blenden lassen.
Die Notenbanken entscheiden in dieser Woche über wichtige Zinsschritte. Es bleibt abzuwarten, wie sich dies auf den Silbermarkt auswirken wird.
Hinweis: Dies ist keine Anlageberatung. Jegliche Investitionsentscheidungen sollten nach sorgfältiger Prüfung und unter Berücksichtigung der individuellen Risikobereitschaft getroffen werden.
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