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Im Podcast Aus dem Cafésatz spricht Zsolt Janos über tägliche Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Komplexe Zusammenhänge werden klar, nachvollziehbar und mit langjähriger Erfahrung auf den Punkt gebracht.

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15.12.2025

In der unaufhaltsamen AI Story tauchen weitere Risse auf

Die Story der künstlichen Intelligenz wurde uns in den letzten Monaten als unaufhaltsamer Siegeszug verkauft: höher, schneller, weiter – grenzenloses Wachstum, exponentielle Renditen. Doch hinter den glänzenden Fassaden der Tech-Giganten mehren sich die Risse. Immer mehr Investoren, Analysten und Branchenbeobachter stellen sich mittlerweile die unbequeme Frage: Wie sicher ist die überzogene KI-Wachstumsstory wirklich?Wir sprechen heute über eine wachsende Skepsis, die den Hype ablöst. Es geht um das leise, aber deutliche Gefühl, dass die aktuelle Richtung eine Sackgasse sein könnte. Wir beleuchten, warum die simple Jagd nach immer mehr Rechenleistung und immer größeren Modellen möglicherweise nicht der Königsweg zur wahren Intelligenz ist, sondern dass das "einfache Begreifen der Welt" der Schlüssel sein könnte.

 

Die im Podcast besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung. Der Vortragende kann das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen. Wer sich aufgrund des im Podcast Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten / Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Der Vortragende kann daher keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des im Podcast Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.

Zusammenfassung

AI-Euphorie: Zeigen sich Risse in der unaufhaltsamen Story?

Diese Woche steht im Zeichen wichtiger Entscheidungen der Zentralbanken. Doch auch abseits davon gibt es Entwicklungen, die Anleger aufmerksam beobachten sollten. Wir beleuchten die aktuelle Situation rund um KI, Carry Trades und die Rolle der Notenbanken.

Zentralbanken im Fokus: Zinsentscheidungen in Japan, England und Europa

Die Bank of England wird voraussichtlich am 17. ihre Zinsentscheidung bekanntgeben, wobei mehrheitlich eine Zinssenkung erwartet wird. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist am 18. dran, hier wird aber keine Veränderung der Zinsen erwartet. Besonders spannend wird es am 18./19. mit der Bank of Japan, wo eine Zinserhöhung erwartet wird.

Diese Zinserhöhung in Japan könnte weitreichende Folgen haben, insbesondere für den sogenannten Carry Trade. Institutionelle Investoren haben sich in der Vergangenheit sehr günstig Geld in Japan geliehen und dieses in höher verzinsten Anlagen investiert. Steigende Zinsen in Japan verteuern dieses Spiel, und eine Aufwertung des Yen erhöht die Schuldenlast für ausländische Schuldner zusätzlich.

Die Risiken sind nicht zu unterschätzen: Sollte es zu einer Korrektur am Aktienmarkt kommen, drohen doppelte Verluste, da die Anlagen an Wert verlieren und gleichzeitig die Kredite teurer werden. Dies kann zu Margin Calls und Zwangsliquidationen führen.

KI-Blase: Datacenter-Probleme und die Frage der Intelligenz

Eine Meldung von Oracle, dass sich der Bau einiger Datacenter verzögert, hat für Aufsehen gesorgt. Gründe dafür sind gestiegene Baustoffpreise (z.B. Kupfer und Aluminium) aufgrund der Trumpschen Zollpolitik und Arbeitskräftemangel. Dieser Mangel ist teilweise auf die Abschiebung illegaler Arbeitskräfte zurückzuführen, die in der Vergangenheit eine wichtige Säule der Bauindustrie darstellten.

Diese Verzögerungen bei Datacentern sind im Zusammenhang mit dem KI-Boom besonders brisant, da Oracle ein wichtiger Player in diesem Bereich ist. Die Aktie von Oracle reagierte prompt mit Kursverlusten.

Zsolt Janos betont: "Intelligenz entsteht ja nicht aufgrund von schneller, höher, weiter, sondern Intelligenz heißt, die Welt in ihren gesamten Zusammenhängen zu verstehen." Die derzeitigen Large Language Model Systeme, die die Basis für viele KI-Tools bilden, haben seiner Meinung nach wenig mit echter Intelligenz zu tun.

Wichtig für Investoren: Bei spekulativen Preisanstiegen muss es immer einen Käufer geben, der bereit ist, die Ware zu einem noch höheren Preis abzunehmen. Andernfalls bleiben die letzten Investoren auf ihren Paketen sitzen.

OpenAI und der Börsengang: Ein spekulativer Weiterverkauf?

OpenAI klammert sich immer stärker an die Idee eines Börsengangs (IPO). Ein solcher Börsengang wäre ein spekulativer Weiterverkauf des Unternehmens. Die Risse in der KI-Story, wie z.B. die Verzögerungen bei Datacentern, stören jedoch all jene, die OpenAI möglichst hoch bewertet an die Börse bringen möchten.

Überbewertungen und Lagerbestände: Warnsignale im KI-Sektor

Auch Broadcom, ein wichtiger Partner von Google, ist mit einer Börsenkapitalisierung von knapp 1,9 Billionen Dollar extrem hoch bewertet. Das Unternehmen erzielt einen Jahresumsatz zwischen 30 und 70 Milliarden Dollar, was einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von circa 100 entspricht. Zudem steigen die Lagerbestände vieler Unternehmen, was angesichts des angeblichen Booms in diesem Bereich verwundert.

Viele Kooperationen und Abnahmeverträge, die in der Vergangenheit medial präsentiert wurden, entpuppen sich als reine Absichtserklärungen. Dies führt zu einer Ernüchterung an der Börse.

Datacenter: Angst vor Überkapazitäten und Energieproblemen

Ein Bericht von Bloomberg thematisiert die wachsende Angst, dass viele Datacenter nicht mehr benötigt werden, da sie entweder nicht rechtzeitig fertiggestellt werden können oder die Nachfrage nicht so groß sein wird. Auch die Energieversorgung stellt ein Problem dar.

Schattenbanken, wie Versicherungen und Pensionskassen, haben stark in Datacenter investiert. Gute Ergebnisse im Jahr 2025 sind oft auf diese Investitionen zurückzuführen. Anleger sollten daher genau prüfen, woher die Erträge stammen und ob der Vermögensverwalter die Berechtigung hatte, in diese Bereiche zu investieren.

JP Morgan und Silber: Eine interessante Entwicklung

JP Morgan ist ein wichtiger Player im Datacenter-Bereich, hat sich aber gleichzeitig massiv in Silber positioniert. Lange Zeit war JP Morgan ein Silber-Short-Positionierer und hat sogar den Silberpreis manipuliert. Nun hat sich das Unternehmen vom größten Short-Positionierer zum größten Silberhalter auf der Privatinvestorenseite gewandelt und physisches Silber gekauft.

Effizienzsprung bei Chips: Bedrohung für Nvidia?

Ähnlich wie in der Dotcom-Blase könnte ein Effizienzsprung bei Chips die Nachfrage nach Datacentern reduzieren. Google entwickelt bereits TPUs, die weniger Energie verbrauchen als die teuren und energiehungrigen GPUs von Nvidia. Sollte Nvidia Marktanteile verlieren, müsste dies in den aktuellen Kursen ausgepreist werden.

Auch die hohen Gewinnmargen von Nvidia (zwischen 60 und 65 Prozent) könnten durch Konkurrenz unter Druck geraten.

China: Eigenständige Chip-Entwicklung

China arbeitet an Alternativen zu amerikanischen Chips und investiert in eine eigene Infrastruktur. Peking hat Unternehmen aufgefordert, keine amerikanischen Chips zu verwenden, was die Nvidia-Story zusätzlich angreift.

FED pumpt Liquidität in den Markt

Die amerikanische Notenbank (FED) kauft kurzfristige Anleihen in der Größenordnung von 40 Milliarden Dollar pro Monat, um Liquidität in den Markt zu pumpen. Dies geschieht, da Regionalbanken aufgrund steigender Zinsen wieder unter Druck geraten sind. Die Obergrenze für die Repo-Fazilität wurde aufgehoben, was eine unbegrenzte Notfinanzierungsmöglichkeit für Banken darstellt.

Fazit

Die KI-Geschichte zeigt erste Risse und Überbewertungen. Anleger sollten die Risiken im Blick behalten und ihre Strategie gegebenenfalls anpassen. Die Entscheidungen der Zentralbanken und die Entwicklungen in Japan und China spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Es ist ratsam, die Situation genau zu beobachten und nicht blindlings dem Hype zu folgen. Eine fundierte Analyse und eine diversifizierte Anlagestrategie sind entscheidend für den langfristigen Erfolg.

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