Podcast
Im Podcast Aus dem Cafésatz spricht Zsolt Janos über tägliche Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Komplexe Zusammenhänge werden klar, nachvollziehbar und mit langjähriger Erfahrung auf den Punkt gebracht.
Beliebteste Episoden der letzten 30 Tage:
23.12.2025
Die eigentlich sinnlose YTD-Betrachtung der Portfolios
Heute stellen wir eine der gängigsten Gewohnheiten an der Börse infrage: Den Blick auf die Year-to-Date-Performance. Mal ehrlich: Was bringt uns die Information, wie ein Portfolio seit dem 1. Januar abgeschnitten hat? Wenn man die Gewinne oder Verluste konsequent ernst nehmen würde, müsste man heute alles verkaufen. Denn solange man investiert bleibt, ist die YTD-Zahl nichts weiter als eine flüchtige Momentaufnahme – eine Zahl, die morgen schon wieder Makulatur sein kann. Statt uns von kurzfristigen Kalender-Stichtagen blenden zu lassen, schauen wir heute tiefer: Warum die Substanz und die Struktur Ihres Depots viel entscheidender sind als die Performance-Kurve der letzten Monate. Wir klären die Frage: Passt das Fundament noch zu Ihren Zielen, oder lassen Sie sich von einer Momentaufnahme in die Irre führen?
Die im Podcast besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung. Der Vortragende kann das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen. Wer sich aufgrund des im Podcast Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten / Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Der Vortragende kann daher keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des im Podcast Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.
Zusammenfassung
Die eigentlich sinnlose YTD-Betrachtung der Portfolios – Ein Kommentar
Herzlich willkommen zu einem neuen Beitrag, in dem wir uns mit einer gängigen Praxis im Finanzbereich auseinandersetzen: der Year-to-Date (YTD) Betrachtung von Portfolios. Ist diese Art der Analyse wirklich sinnvoll, oder handelt es sich eher um eine Marketingstrategie? Wir gehen dieser Frage auf den Grund.
Die Santa Claus Rallye und der Blick zurück
Wir befinden uns in der sogenannten „Santa Claus Rallye“-Zeit, jenen Tagen vor Weihnachten und zwischen den Jahren, die statistisch gesehen oft positive Renditen bringen. Viele Anleger nutzen diese Zeit, um Bilanz zu ziehen und ihr Portfolio zu bewerten. Doch ist diese Momentaufnahme wirklich aussagekräftig?
Zsolt Janos argumentiert, dass diese Art der Betrachtung in vielen Fällen wenig Sinn ergibt. Sie erinnert an die Zeit, als Bauern nach der Ernte ihre Ergebnisse bewerteten. An der Börse jedoch, so Janos, müssten wir eigentlich alle Positionen verkaufen, um ein tatsächliches Ergebnis zu erhalten. Ohne Verkauf sind es lediglich Kursnotierungen auf einem Zettel, die sich morgen schon wieder ändern können.
Manipulation der Depotauszüge?
Die Finanzindustrie neigt dazu, Depotauszüge zum 31. Dezember zu optimieren. Die Santa Claus Rallye wird genutzt, um gut gelaufene Positionen nochmals zu befeuern, während schlechter performende Werte abgestoßen werden. Am 31. Dezember wird dann ein „Foto“ gemacht, das oft erst im Jänner betrachtet wird. Doch dieses Bild ist verzerrt und gibt keinen Aufschluss über die tatsächliche Substanz des Portfolios.
Die Substanz zählt, nicht die Schwankung
Statt sich auf kurzfristige Kursschwankungen zu konzentrieren, sollten Anleger sich mit der Substanz und Struktur ihres Portfolios auseinandersetzen. Wer sich zu sehr auf Jahresendergebnisse fixiert, vernachlässigt oft die Risiken, die mit den Anlagen verbunden sind.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Problematik der kurzfristigen Betrachtung: Eine Familie, die seit 15 Jahren mit einem Experten zusammenarbeitet und durchschnittlich 8,2-8,3% Nettorendite erzielt hat (was einer Verdopplung des Portfolios entspricht), geriet in Panik, als das Portfolio im April aufgrund von Marktturbulenzen ein Minus von 7% aufwies. Besonders die Frau war beunruhigt, obwohl ein Teil des Portfolios in sicheren Geldmarktfonds geparkt war. Im Sommer erholte sich das Portfolio, und die Frau wollte ihre Anteile verkaufen. Vor Weihnachten lag das Portfolio ohne ihre Anteile bei +9,7%, während ihr Geldmarktfonds nur +2,4% erzielte. Dieses Beispiel zeigt, wie kurzfristige Emotionen zu falschen Entscheidungen führen können.
Die Inflation im Blick
Entscheidend ist, die persönliche Inflationsrate zu kennen und das Portfolio entsprechend auszurichten. Wer lediglich den Werterhalt anstrebt, muss die Kaufkraft erhalten. Eine Rendite von 2,4% mag sicher erscheinen, kompensiert aber nicht eine höhere Inflation. Es ist wichtig, die Risiken und Schwankungen zu verstehen, um langfristig erfolgreich zu sein.
Lockerung der Eigenkapitalvorschriften für Banken
Ein weiteres Thema ist die Lockerung der Eigenkapitalvorschriften für Banken. Nach der Finanzkrise wurden diese verschärft, um die Kreditvergabe zu kontrollieren. Nun sollen die Banken wieder mehr Kredite vergeben können, während die Zentralbanken ihre Liquidität zurückfahren. Dies ist grundsätzlich positiv für die Wirtschaft, solange es nicht zu Übertreibungen kommt. Auch muss man beobachten, dass ein grosser Teil der Kreditvergabe in sogenannte Schattenbankensysteme abgewandert ist.
Die Lockerung der Eigenkapitalvorschriften kann auch dazu führen, dass Banken leichter Staatsanleihen kaufen können, was die Finanzierung der Staatsschulden erleichtert.
Fazit
Die YTD-Betrachtung von Portfolios ist oft wenig aussagekräftig und kann zu emotionalen, irrationalen Entscheidungen führen. Stattdessen sollten Anleger sich auf die Substanz, Struktur und Risiken ihres Portfolios konzentrieren. Die persönliche Inflationsrate sollte berücksichtigt werden, um den Werterhalt der Anlagen sicherzustellen. Die Lockerung der Eigenkapitalvorschriften für Banken kann grundsätzlich positiv für die Wirtschaft sein, solange die Aufsichtsbehörden ein Auge darauf haben.
Ich bedanke mich bei allen Zuhörern und Lesern. Ich wünsche allen ein wunderschönes Fest und entspannte Tage!
Sie wünschen sich eine individuelle und fundierte Beratung für Ihr Vermögen? Kontaktieren Sie mich für ein unverbindliches Gespräch: