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Im Podcast Aus dem Cafésatz spricht Zsolt Janos über tägliche Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Komplexe Zusammenhänge werden klar, nachvollziehbar und mit langjähriger Erfahrung auf den Punkt gebracht.
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29.12.2025
China setzt den Silbermarkt weiter massiv unter Druck
Der globale Silbermarkt scheint ein komplexes Geflecht aus Angebot und Nachfrage zu sein, doch bei genauerer Betrachtung wird eines überdeutlich: Ohne Chinas Zutun funktioniert dieser Markt nicht wirklich. Von der immensen industriellen Nachfrage für Solarpanels und Elektronik bis hin zu strategischen Exportkontrollen, die globale Lieferketten unter Druck setzen – China hat das Heft in der Hand. Die jüngsten Rekordpreise in China und die Einführung neuer Exportbeschränkungen ab 2026 unterstreichen Pekings strategische Position. Wir beleuchten heute, wie China zum Dreh- und Angelpunkt des globalen Silberhandels wurde und welche Auswirkungen diese Machtverschiebung auf Investoren und Industrien weltweit hat.
Die im Podcast besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung. Der Vortragende kann das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen. Wer sich aufgrund des im Podcast Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten / Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Der Vortragende kann daher keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des im Podcast Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.
Zusammenfassung
China setzt den Silbermarkt weiter massiv unter Druck
In der besinnlichen Weihnachtszeit erlebten die Rohstoffpreise einen überraschenden Aufschwung. Zsolt Janos beleuchtet die aktuellen Entwicklungen und die Rolle Chinas im Silbermarkt.
Chinas Antwort: China First
China scheint mit seiner Rohstoffpolitik eine klare Antwort auf die „America First“-Strategie zu geben. Besonders im Bereich der seltenen Erden und nun auch bei Silber zeigt sich Chinas Dominanz. Ab dem 01.01.2026 plant China, die Exportbeschränkungen auf Silber auszuweiten.
Explosion an den Rohstoffmärkten
Kurz vor dem Jahreswechsel erlebten die Rohstoffmärkte, insbesondere Silber, Palladium, Platin, Gold und Kupfer, eine ungewöhnliche Preisexplosion. Ein gleichzeitiger Anstieg aller Rohstoffe ist selten und deutet auf tiefgreifende Veränderungen hin.
Das Silber-Dilemma: Physisch vs. Papier
Die Silbergeschichte dreht sich maßgeblich um China und fokussiert sich auf die Londoner Silberbörse. Die Kernfrage ist, wer tatsächlich physisches Silber liefern kann. Die Finanzindustrie hat über Jahre hinweg zahlreiche Papierprodukte geschaffen, bei denen die physische Lieferung oft nur eine Randbedingung ist. Schätzungen zufolge gibt es 300 bis 350-fach mehr Papiersilber als physisch vorhandenes Silber.
Silberpreis explodiert
Allein am Freitag nach Weihnachten stieg der Silberpreis um mehr als 10 Prozent. Im asiatischen Handel notierte Silber bereits bei knapp 80 Dollar. Mit einer Börsenkapitalisierung von 4,5 Billionen Dollar liegt Silber nun an dritter Stelle, hinter Gold und Nvidia.
Ein 4- bis 5-Sigma-Ereignis
Die aktuelle Preisexplosion wird als ein 4- bis 5-Sigma-Ereignis eingestuft, das statistisch gesehen nur einmal im Leben eines Menschen vorkommt. Die Google-Suchanfragen nach Silber erreichten ein Allzeithoch. Im Jahr 2025 stieg der Silberpreis um 170 Prozent, wovon 50 Prozent allein im Dezember stattfanden.
Optimismusindex und mögliche Korrektur
Der Silber-Optimismus-Index liegt derzeit bei 99,31, knapp unter dem Höchststand von 99,91 aus dem Jahr 2011, kurz vor einem Preisabsturz. Technisch gesehen wäre eine Korrektur überfällig.
Angebotsknappheit verschärft die Situation
Anders als in den 80er Jahren, als die Brüder Hunt den Silberpreis manipulierten, gibt es heute massive Versorgungsprobleme. Seit fünf Jahren besteht ein jährliches Defizit an Silber, da die Nachfrage das Angebot übersteigt. Silber ist hauptsächlich ein Nebenprodukt anderer Produktionen, was die schnelle Herstellung neuer Mengen erschwert.
Die Rolle der Finanzindustrie und Social Media
Die Finanzindustrie hat die Knappheit entdeckt und befeuert die Silber-Story über Social Media und andere Kanäle. Die Londoner Silberbörse kann derzeit physisches Silber nicht liefern, da Besitzer es fast um jeden Preis zurückhalten.
Die Herausforderung für die Banken
Große Banken wie JP Morgan, HSBC, BNP Paribas, UBS, Deutsche Bank, Citi und Goldman Sachs sind stark im Papiersilbergeschäft engagiert und könnten Schwierigkeiten haben, ihre Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Eine konzertierte Aktion, möglicherweise unterstützt durch Zentralbanken, könnte eine Lösung sein.
Chinas Einfluss und die geopolitische Dimension
Im Metallkrieg zwischen Amerika und China setzt China mit seinen Exportbeschränkungen die Daumenschrauben an. 70 bis 80 Prozent des industriell verwertbaren Silbers werden in China verarbeitet. Auch die Spannungen zwischen Venezuela und Amerika betreffen China indirekt, da Venezuela einen Großteil seines Öls nach China exportiert.
Auswirkungen auf die Industrie
Ohne Silber gibt es keine Solarzellenproduktion, Roboter, Raketen oder E-Autos. Unternehmen wie Samsung verhandeln bereits direkt mit Silberproduzenten. Die Solarindustrie verarbeitet jährlich etwa 232 Millionen Unzen Silber, was fast 60 Prozent der Jahresproduktion entspricht.
Fazit
Die Silbermärkte bleiben spannend. Die Exportbeschränkungen Chinas ab dem 1. Januar, die Reaktion der Finanzindustrie und die Rolle der Banken werden entscheidend sein. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Finanzindustrie aus dieser Misere befreien und sogar als Gewinner hervorgehen kann.
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