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Im Podcast Aus dem Cafésatz spricht Zsolt Janos über tägliche Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Komplexe Zusammenhänge werden klar, nachvollziehbar und mit langjähriger Erfahrung auf den Punkt gebracht.

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19.12.2025

Die aktuelle AI Erwartungsblase erinnert an eine andere geplatzte

Heute blicken wir auf einen Giganten, der plötzlich wieder omnipräsent ist: Oracle. An der Börse wird der Software-Konzern derzeit gefeiert, als hätte er das Rad – oder zumindest die Cloud – gerade neu erfunden. Doch während die Kurse steigen und die Versprechen immer größer werden, beschleicht viele Beobachter ein ungutes Gefühl. Erleben wir hier gerade eine Erwartungsblase, die in ihrem Ausmaß und ihrer fast schon blinden Euphorie an ein anderes prominentes Beispiel der jüngeren Wirtschaftsgeschichte erinnert? Wir ziehen heute den gewagten, aber notwendigen Vergleich: Erinnert die aktuelle Oracle-Story an die geplatzte Idee von WeWork? Geht es hier um echte Substanz oder sehen wir eine monumentale Überbewertung, die auf Sand gebaut ist? 

Die im Podcast besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung. Der Vortragende kann das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen. Wer sich aufgrund des im Podcast Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten / Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Der Vortragende kann daher keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des im Podcast Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.

Zusammenfassung

Die aktuelle KI-Erwartungsblase: Parallelen zu vergangenen Krisen

Die Finanzmärkte sind ständig in Bewegung, und aktuelle Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) werfen Fragen auf. Erinnern wir uns an frühere Hypes und geplatzte Blasen? Zsolt Janos beleuchtet die aktuelle Situation und zieht Parallelen zu vergangenen Ereignissen.

Aktuelle Zinsentwicklungen und ihre Auswirkungen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen vorerst nicht gesenkt. Auch andere Notenbanken agierten ähnlich. Die Bank of England senkte die Zinsen um 0,25 Prozent, während Japan die Zinsen um 0,25 Prozent anhob. Aktuell liegen die japanischen Leitzinsen bei 0,75 Prozent. Interessant ist, dass die Rendite der 10-jährigen japanischen Anleihe auf 2 Prozent gestiegen ist. Das bedeutet für viele Anleihekäufer, die seit den 90er Jahren japanische Anleihen erworben haben, dass diese nun unter Wasser sind.

Die EZB signalisiert, dass weitere Zinssenkungen aus ihrer Sicht nicht notwendig sind. Die Nullzinsphase war keine Normalität, sondern eine Krisenmaßnahme. Höhere Zinsen haben auch eine bereinigende Wirkung, da nicht lebensfähige Konzepte und Projekte aussortiert werden.

Die KI-Erwartungsblase und ihre Stufen

Ist die KI-Welt eine Blase? Vieles deutet auf eine Erwartungsblase hin, die auf mehreren Ebenen entstanden ist.

  1. Konsumenten: Die Bezeichnung "Künstliche Intelligenz" suggeriert eine Intelligenz, die die Systeme aber nicht besitzen. Es handelt sich um Werkzeuge, die auf Rechenkapazität basieren und auch Fehler produzieren.
  2. Infrastrukturbauer: Der Hype um KI führte zu Investitionen in Chips, Rechenzentren und Energieversorgung. Viele Unternehmen finanzieren diese Infrastruktur über Anleihen.
  3. Energieversorgung: Große Rechenzentren benötigen viel Energie, was zu Investitionen in neue Energiequellen führt, beispielsweise in mobile Atomreaktoren (die es aktuell noch nicht gibt).

Ein Beispiel ist Blue Oval, ein Unternehmen, das sich aus der Entwicklung eines 10-Milliarden-Dollar-Rechenzentrums zurückgezogen hat, was Oracle betrifft.

Das Kreislaufmodell und die Rolle von OpenAI

OpenAI spielt eine zentrale Rolle in diesem Kreislauf. Das Unternehmen sammelt Geld ein und verspricht zukünftige Infrastrukturabnahmen. Dies erinnert an ein Geschäftsmodell, bei dem Kunden sich an einem Unternehmen beteiligen und im Gegenzug dessen Dienstleistungen abnehmen.

Oracle ist ebenfalls stark in diesem Bereich engagiert und baut Rechenzentren, die an KI-Unternehmen vermietet werden. Die Frage ist, ob OpenAI die Kapazitäten von Oracle tatsächlich in vollem Umfang nutzen wird. Hier gibt es Parallelen zu WeWork, einem Bürovermieter, der langfristige Mietverträge abschloss und kurzfristig teuer weitervermietete. WeWork geriet in Schwierigkeiten, als die Nachfrage nach flexiblen Büroflächen während der COVID-19-Pandemie einbrach.

Die Rolle der Hyperscaler und Goldman Sachs' Einschätzung

Goldman Sachs geht davon aus, dass OpenAI seine Verpflichtungen erfüllen wird, da die großen Hyperscaler wie Microsoft, Amazon und Google in OpenAI investieren werden. Diese Unternehmen nutzen die Bereitschaft des Marktes, ihnen Geld zu geben, und investieren das Geld der Investoren, anstatt eigenes Kapital einzusetzen. Das Risiko ist somit ausgelagert.

Die Oracle-Aktie ist seit Anfang September um etwa 10 Prozent gefallen. Entweder ist dies eine günstige Einstiegsgelegenheit, oder es deutet auf Probleme hin. Micron hingegen hat beeindruckende Zahlen vorgelegt und profitiert von der Nachfrage nach KI-Technologien.

Micron und die Schaufelverkäufer

Micron profitiert davon, dass in KI investiert werden muss. Micron ist ein Schaufelverkäufer, ähnlich wie Nvidia. Solange die Menschen glauben, dass man Schaufeln kaufen muss, kaufen sie natürlich die Schaufeln. Aber ob man mit diesen Schaufeln die großen Gewinne dann erzielen wird, das ist eine andere Geschichte. Die Margen von Micron waren unerwartet hoch, was zu Kursverlusten bei den Abnehmern führte, beispielsweise bei Apple.

Fazit: Wachsamkeit ist geboten

Die KI-Entwicklung ist spannend, birgt aber auch Risiken. Es ist wichtig, die Erwartungen realistisch einzuschätzen und die Finanzierungskonstruktionen kritisch zu hinterfragen. Die Situation erinnert an frühere Blasen, und es ist ratsam, wachsam zu bleiben.

Die Finanzmärkte und die KI-Branche bleiben also weiterhin spannend und werden uns auch in Zukunft beschäftigen.

Disclaimer: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar.

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