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Im Podcast Aus dem Cafésatz spricht Zsolt Janos über tägliche Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Komplexe Zusammenhänge werden klar, nachvollziehbar und mit langjähriger Erfahrung auf den Punkt gebracht.
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03.12.2025
Sinkende Liquidität bringt die Risiko Anlagen in Probleme
Wir alle lieben eine gute Erfolgsgeschichte, besonders in den schnelllebigen Märkten von heute. Doch was passiert, wenn die Party vorbei ist und die Liquidität – das Lebenselixier der Finanzwelt – plötzlich versiegt?
In genau solchen Momenten zeigt sich das wahre Gesicht des Marktes. Zuerst geraten die sehr gehebelten und eher unsicheren Geschäftsmodelle ins Wanken. Wir sprechen hier von Konstruktionen, die kaum ein anderes Geschäftsmodell haben, als kontinuierlich Geld einzusammeln und dieses in hochspekulative Positionen zu stecken.
Ein Paradebeispiel dafür sind die sogenannten DATs, die Digital Asset Treasuries. Unternehmen, die sich über Jahre als die Brücke zwischen traditionellen Finanzen und Kryptowährungen inszeniert haben, aber im Grunde genommen nur auf steigende Token-Preise angewiesen sind, um ihre fragile Struktur aufrechtzuerhalten. Sie sind die "Bull market accelerators", die im Abschwung zu "Bärenmarkt-Verstärkern" werden können.
Die im Podcast besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung. Der Vortragende kann das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen. Wer sich aufgrund des im Podcast Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten / Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Der Vortragende kann daher keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des im Podcast Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.
Zusammenfassung
Sinkende Liquidität bringt die Risikoanlagen in Probleme
In der aktuellen Kapitalmarktanalyse beleuchten wir die Auswirkungen sinkender Liquidität auf Risikoanlagen. Im Fokus steht dabei die Strategie von Michael Saylor und die Rolle sogenannter Digital Asset Treasuries (DATs).
Was sind Digital Asset Treasuries (DATs)?
DATs sind Unternehmen, deren Geschäftsmodell darauf basiert, Kapital einzusammeln und überwiegend in digitale Assets, insbesondere Bitcoin, zu investieren. Diese Unternehmen geben oft hochverzinsliche Anleihen und Aktien aus, um ihre Investitionen zu finanzieren. Es wird Geld vom Aktienmarkt und Anleihenmarkt geholt, um mit diesem Geld weiterhin digitale Assets zu kaufen.
Die Rolle der japanischen Notenbank
Die japanische Notenbank spielt eine entscheidende Rolle, da sie angekündigt hat, die Zinsen zu erhöhen. Dies führt dazu, dass Carry Trades, also Zinsdifferenzgeschäfte, aufgelöst werden und Liquidität aus den Märkten abgezogen wird. Die billigen Kredite, die zuvor als Liquidität in den Märkten wirkten, verschwinden. Es werden 3 bis 4 Billionen im Carry-Trade-Geschäft vermutet.
Die Auswirkungen auf Risikoanlagen
Die fehlende Liquidität belastet Risikoanlagen wie Bitcoin. Konstruktionen wie DATs bergen erhebliche Risiken. Der MSCI World Index überdenkt derzeit, ob Unternehmen, die mehr als 50% ihrer Bilanzsumme in digitalen Assets halten, weiterhin im Index verbleiben dürfen. Ein Ausschluss hätte zur Folge, dass große Vermögensverwalter und institutionelle Anleger, die den MSCI World Index abbilden, Gelder abziehen müssten, was den Druck auf Unternehmen wie MicroStrategy erhöhen würde. Es wird erwartet, dass die neue Regelung im Januar in Kraft tritt.
Michael Saylors Strategie im Fokus
Während MicroStrategy Anleihen und Aktien verkauft, um Bitcoin zu kaufen, hat Michael Saylor persönlich Aktien des Unternehmens im Wert von rund 1,4 Milliarden Dollar verkauft und Cash aufgebaut. Dies wirft Fragen nach der Nachhaltigkeit seiner Strategie auf, insbesondere wenn er gezwungen sein könnte, Bitcoin zu verkaufen, um Zinsen und Dividenden zu bedienen.
Die Marktschwankungen sind aktuell sehr hoch. Am Montag lag der Wert von MicroStrategy deutlich unter dem inneren Wert. Die Bitcoin-Bestände des Unternehmens wurden auf 55-56 Milliarden Dollar geschätzt, während die Börsenkapitalisierung bei 45,7 Milliarden Dollar lag.
Liquiditätsengpässe und die Rolle der US-Notenbank
Die US-Notenbank hat seit den Zinserhöhungen 2022 rund 2,4 Billionen Dollar aus ihrer Bilanz genommen. Gleichzeitig sind die Reserven, die im Zuge der COVID-Krise geschaffen wurden, auf Null gefallen. Die Notenbank hat bereits Liquidität in den Finanzsektor gepumpt, um Engpässe zu beheben. Die Situation ähnelt der Ende 2019, als die Zinsen für Repo-Märkte plötzlich stark anstiegen.
Spekulationen um einen neuen FED-Chef
Es gibt Spekulationen, dass Donald Trump einen neuen FED-Chef benennen könnte. Im Gespräch ist Kevin Hassett. Das Problem bei Hassett ist seine Unerfahrenheit, was zu einem Vertrauensverlust in den Märkten führen könnte. Eine Zinssenkung wäre zwar grundsätzlich positiv für Risikoanlagen, könnte aber gleichzeitig die Inflation anheizen.
Die Situation am chinesischen Immobilienmarkt
Der chinesische Immobilienmarkt sucht weiterhin nach einer Bodenbildung. Die Umsätze der Top 100 Bauträger sind um 36% gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Bei den Top 25 Bauträgern betrug der Rückgang sogar 42%. Dies zeigt, wie lange es dauern kann, bis sich ein Immobilienmarkt von einer Krise erholt.
Probleme am österreichischen Immobilienmarkt
Auch in Österreich gibt es Probleme am Immobilienmarkt. Seit 2023 mussten rund 350 Immobilienentwickler Konkurs anmelden, was etwa 2000 Projekte betrifft. Die gesamte Abschreibungssumme beträgt rund 47 Milliarden Euro. Trotz dieser Situation plant die Regierung, die Grunderwerbsteuer zu erhöhen.
KI-Wettbewerb: Antropic fordert OpenAI heraus
Im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) gibt es einen neuen Player: Antropic. Das Unternehmen plant einen Börsengang und setzt OpenAI unter Druck. Die nächste Version von ChatGPT muss deutlich besser sein als Gemini, da OpenAI Abonnenten und User verliert. Im Windschatten von OpenAI mausert sich Antropic und will den Börsengang relativ bald abschließen. Unternehmen wie Creedo und MongoDB könnten von dieser Entwicklung profitieren.
Fazit
Die sinkende Liquidität, die Zinspolitik der Notenbanken und die Situation am Immobilienmarkt sind Faktoren, die erhebliche Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben. Risikoanlagen sind besonders betroffen. Es ist wichtig, die Entwicklungen genau zu beobachten und die Risiken zu berücksichtigen.
Die aktuelle Marktsituation erfordert eine sorgfältige Analyse und eine individuelle Anlagestrategie.
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