Podcast
Im Podcast Aus dem Cafésatz spricht Zsolt Janos über tägliche Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Komplexe Zusammenhänge werden klar, nachvollziehbar und mit langjähriger Erfahrung auf den Punkt gebracht.
Beliebteste Episoden der letzten 30 Tage:
11.11.2025
Die Märkte feiern schon das mögliche Shutdown Ende
Der US-Shutdown ist noch nicht vorbei – aber die Märkte feiern schon die erste Einigung. Die Hoffnung ist groß, dass auch die beiden weiteren Hürden genommen werden. So schnell kann sich das Bild drehen: Noch vor einer Woche galten die Demokraten als klare Profiteure der Krise – jetzt kippt die Stimmung, und am Ende könnten sie mit leeren Händen dastehen.
Die im Podcast besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung. Der Vortragende kann das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen. Wer sich aufgrund des im Podcast Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten / Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Der Vortragende kann daher keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des im Podcast Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.
Zusammenfassung
Die Märkte feiern schon das mögliche Shutdown Ende – Ein Blick auf aktuelle Kapitalmarkt- und Wirtschaftsfragen
Börsen handeln Gerüchte: Shutdown-Ende schon eingepreist?
Die Börsen haben in den letzten Tagen ein Lehrbuchbeispiel dafür geliefert, dass sie Gerüchte handeln und Ereignisse vorwegnehmen. Obwohl in Amerika noch keine finale Einigung über das Ende des Shutdowns erzielt wurde, sind die Kurse gestiegen. Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Shutdowns wird bereits eingepreist, was zu einer erhöhten Liquidität in den Märkten führt.
Zsolt Janos erklärt: "Die Börsen handeln Gerüchte und nehmen Ereignisse vorweg. Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie die Hoffnung auf ein Shutdown-Ende bereits eingepreist wird."
Die politische Dimension: Demokraten unter Druck?
Interessant ist die politische Dimension der Einigung im Senat. Acht Demokraten sind "umgefallen", möglicherweise aufgrund der medial verbreiteten Bilder von Menschen, die auf Lebensmittelmarken angewiesen sind und Schlange stehen. Politisch gesehen haben die Demokraten jedoch wenig erreicht, und Sprecher Johnson steht nun unter Druck, weil ihm vorgeworfen wird, seine Partei nicht im Griff zu haben.
Noch vor kurzem schien es, als würden Donald Trump und die Republikaner durch den Shutdown Schaden nehmen. Doch die Situation hat sich gedreht. Die Einigung ist zwar positiv, da der Shutdown möglicherweise bis zum 31. Jänner 2026 aufgeschoben wird, aber die Demokraten haben ihren Punkt – die Unterstützung im Gesundheitssektor – nicht durchsetzen können. Im Jänner wird die Situation erneut brisant.
OpenAI und der Staat: Eine verborgene Agenda?
Letzte Woche sorgte die Finanzchefin von OpenAI für Aufsehen, als sie vorschlug, der amerikanische Staat solle mehr in Infrastruktur (Datacenter) investieren. Ihr Chef, Sam Altmann, ruderte daraufhin zurück. Nun kommt jedoch heraus, dass die Biden-Regierung im Rahmen des Chips Act bereits ähnliche Formulierungen enthielt. Es scheint, als ob OpenAI auf staatliche Unterstützung spekuliert, um seine massiven Investitionsversprechen zu stemmen.
Trumps Pläne: Stimulus-Schecks aus Zolleinnahmen?
Donald Trump plant, 2000 Dollar an die mittlere und untere Schicht der Gesellschaft zu verteilen, finanziert aus Zolleinnahmen. Dies ist jedoch fraglich, da der Supreme Court die Rechtmäßigkeit dieser Zölle in Frage stellt. Sollten die Zölle zurückgezahlt werden müssen, würde Trump das Geld fehlen, und die Verschuldung Amerikas würde weiter steigen. Zsolt Janos kommentiert diese Entwicklung als "Bananenrepublik-ähnlich".
Immobilienkredite mit 50 Jahren Laufzeit: Ein Geschenk für die Banken?
Trump schlägt vor, Immobilienkredite mit 50 Jahren Laufzeit zu ermöglichen. Dies würde die monatliche Belastung zwar geringfügig reduzieren, aber die Gesamtsumme, die zurückgezahlt werden muss, deutlich erhöhen. Für die Banken wäre dies ein lukratives Geschäft. Im Gegenzug könnten sie amerikanische Staatsanleihen kaufen, was Trumps Finanzierungsbedarf decken würde.
Ein Beispiel: Ein Kredit von $500.000 mit 6% Zinsen auf 30 Jahre kostet monatlich ca. $2400. Bei einer Laufzeit von 50 Jahren sinkt die monatliche Rate auf ca. $2100, aber die Gesamtzahlung steigt von $1 Million auf $1.2 Millionen.
KI-Werte im Aufwind: Finanzierung durch Private Equity als Risiko?
Nach dem Knick der letzten Woche erleben die KI-Werte wieder einen Aufschwung. Auffällig ist die Finanzierung: Bis 2024 wurden KI-Investitionen überwiegend aus Eigenkapital und Cashflows finanziert. Im laufenden Jahr explodieren jedoch die Investitionen, die nun überwiegend über Kredite und Private Equity finanziert werden. Dies birgt Risiken, da Private Equity oft weniger transparent ist und Ausstiegsmöglichkeiten begrenzt sein können.
KI-Wettlauf: Amerika vs. China
Die Analysten von Bank of America haben eine interessante Auswertung veröffentlicht, die zeigt, dass Unternehmen, die stark in KI investieren, langfristig an Börsenkapitalisierung verlieren können. Im KI-Bereich haben die Amerikaner zwar noch die Nase vorn, aber die chinesischen Modelle sind energieeffizienter. Während amerikanische Modelle auf Wahrscheinlichkeiten basieren und zentralisiert sind, sind chinesische Modelle dezentral und arbeiten nicht mit Wahrscheinlichkeiten. Die Investitionssummen in Amerika sind deutlich höher als in China, aber die chinesischen Systeme sind effizienter.
Zahlen im Vergleich (Investitionen in Mrd. Dollar):
- 2022: Amerika 157 vs. China 1
- 2023: Amerika 256 vs. China 17
Datenzentren unter Druck: Stromversorgung und neue Chip-Generationen
In Santa Clara, Kalifornien, können zwei große Datacenter nicht in Betrieb gehen, weil die Stromversorgung nicht ausreicht. Zudem entsteht in der Nachbarschaft von Datacentern Widerstand, da diese die Strompreise erhöhen. Die nächste Chip-Generation wird eine massive Konkurrenz zu den Nvidia-Chips sein, was die Halbwertszeit von Datacentern verkürzt. Die Abschreibungsdauer ist kürzer, was die Rentabilität in Frage stellt.
BYD expandiert trotz stagnierenden E-Auto-Marktes
BYD eröffnet eine riesige Produktionsfabrik in Zhengzhou, die größer ist als San Francisco. Dies geschieht, obwohl die E-Auto-Zahlen sowohl in Europa als auch in China zurückgehen. Es bleibt abzuwarten, was BYD dort produzieren wird und wer die E-Autos abnehmen wird.
Fazit
Die aktuellen Kapitalmarkt- und Wirtschaftsfragen sind von Unsicherheit und schnellen Wendungen geprägt. Es lohnt sich, die Fakten abzuwarten und erst dann Entscheidungen zu treffen. Die Entwicklungen im Bereich KI und die politischen Manöver in den USA sind besonders spannend und bergen sowohl Chancen als auch Risiken.