Videothek
Ob Wirtschaftstrends, Kapitalmärkte oder gesellschaftliche Veränderungen - Zsolt Janos wird regelmäßig als Experte in TV-Sendungen eingeladen, um Entwicklungen einzuordnen und Zusammenhänge verständlich zu erklären.
07.07.2026 | Zsolt & Martis Talk
Zsolt & Martis Talk - Fliegt der Finanzberater raus? Wie KI den Kundenkontakt revolutionier
Wie stark und wie schnell ersetzt KI die persönliche Finanzberatung? In dieser Folge von Zsolt und Martins Talk sprechen wir ...
Die in diesem Video besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung, da ich das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen kann. Wer sich aufgrund des in diesem Video Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten oder Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Ich kann keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des in diesem Video Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.
Zusammenfassung
Fliegt der Finanzberater raus? Wie KI den Kundenkontakt in der Finanzbranche revolutioniert
Die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) stellt traditionelle Branchen vor enorme Herausforderungen. Doch wie wirkt sich diese Revolution auf die Finanzindustrie aus? In einem spannenden Gespräch beleuchten Zsolt Janos und Martin die tiefgreifenden Veränderungen, die KI im Kundenkontakt und in der Arbeitsweise von Finanzberatern mit sich bringt. Ist der klassische Finanzberater bald Geschichte, oder eröffnet KI ganz neue Möglichkeiten für eine effizientere und persönlichere Beratung?
KI in der Finanzwelt: Eine unaufhaltsame Revolution
Vom Roboter in der Fabrik zum intelligenten Agenten
Die Vorstellung von humanoiden Robotern mag noch vor wenigen Jahren futuristisch geklungen haben. Doch Zsolt Janos betont, dass dies längst Realität ist: "Einzelne Unternehmen, konkret jetzt in Europa, BMW setzt humanoide Roboter schon ein. Das heißt, das sind keine futuristischen Bilder mehr, sondern das sind tatsächlich schon Bilder aus Fabriken, wo neben menschlicher Arbeit auch humanoide Roboter eingesetzt werden." Diese Entwicklung macht auch vor der Finanzindustrie nicht Halt. Statt vor Bildschirmen mit unzähligen Charts sieht Zsolt den Berater der Zukunft vor Oberflächen, auf denen unterschiedliche KI-Agenten im Hintergrund arbeiten und Ergebnisse liefern, die dann in die Konzepte des Beraters einfließen.
Bereits heute verschiebt sich der Fokus in der Beratung weg vom reinen Produktverkauf hin zu einer konsolidierten Vermögensbilanz. Kunden erwarten zunehmend einen umfassenden Überblick über ihre gesamte Vermögenssituation, bevor überhaupt über einzelne Produkte gesprochen wird. Diese visionäre Welt ist näher, als viele glauben.
Warum die Finanzbranche anders tickt: Regulierung und Altsysteme
Martin bricht eine Lanze für die Finanzindustrie und erklärt, warum sie bei solchen Innovationszyklen oft langsamer ist als andere Branchen:
- Hohe Komplexität und Regulierung: Die Finanzindustrie ist ein hochkomplexer und stark beaufsichtigter Sektor. Finanzmarktaufsichten (FMA) prüfen jeden Prozess mit Argusaugen.
- Strenge Vorgaben: Regularien wie die DORA-Verordnung (Digital Operational Resilience Act) erfordern, dass neue Prozesse umfassende Phasen und Stufen durchlaufen, bevor sie eingeführt werden können.
- Datenherausforderungen: Obwohl die Payment Service Directive (PSD2) Banken verpflichtet, Zahlungsdaten für Girokonten herauszugeben, geschieht dies oft nur schleppend und gilt noch nicht für Depots und Wertpapierkonten.
- Veraltete Kernbankensysteme: Viele Banken nutzen noch immer "Corebanking-Systeme" aus den 80er Jahren. Diese sind zwar stabil, aber starr und nicht für die Integration moderner KI-Schnittstellen ausgelegt. Programmierer, die diese Systeme einst entwickelten, sind oft nicht mehr verfügbar, und die Programmiersprachen sind veraltet.
Diese strukturellen Hürden bedeuten, dass technisch vieles möglich wäre, aber die Umsetzung durch Regulatorik und die Trägheit der Dateneigentümer verzögert wird.
Chancen und Risiken: Das Doppelgesicht der KI
Effizienzsteigerung durch KI-Agenten
Trotz der Herausforderungen bietet KI enorme Potenziale zur Effizienzsteigerung. Martin berichtet von seinen eigenen Erfahrungen: "Ich arbeite mit KI-Agenten und und programmiere, also unter Anführungszeichen eben selber Programme. Und es ist schon erstaunlich, zu was diese Agenten mittlerweile fähig sind, also wie schnell man z.B. eine Schnittstelle zu einer Bank, die war in einem Nachmittag fertig. Normalerweise braucht das Monate." KI-Agenten können Aufgaben wie Kundenakquise, Angebotsvorschläge oder die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben übernehmen und dabei sogar Tests durchführen.
Die Geschwindigkeit, mit der sich KI entwickelt, ist beispiellos. Während frühere industrielle Revolutionen Jahre oder Jahrzehnte brauchten, um sich zu etablieren, "geht diese KI, das geht alles so schnell." Dies führt zu einer massiven Steigerung der Produktivität, aber auch zu sozialpolitischen Herausforderungen, da viele Arbeitsplätze, die bisher als sicher galten – vom Programmierer über den Anwalt bis zum Grafikdesigner – von dieser Entwicklung betroffen sein werden.
Gefahren der Autonomie: Wenn KI „zu effizient“ wird
Mit der zunehmenden Autonomie von KI-Systemen wachsen auch die Risiken. Zsolt Janos warnt vor der Möglichkeit, dass KI-Agenten Befehle falsch interpretieren könnten: "Was ist, wenn die KI jetzt hergeht und sagt, okay, dann lösche ich mal alle Kundenbestände, weil die braucht man nicht. Das ist eigentlich ein Blödsinn, weil das das ist nur Platz, da kriege ich nichts raus, das rechnet nichts und löscht mir meine Kundenbestände." Solche Vorfälle, bei denen eigenständige KI-Systeme Codes löschten, sind bereits bekannt.
Die Bank of England warnte kürzlich vor generativen Agentensystemen, die gefährlich für unser Finanzsystem werden könnten. Unser System ist nicht darauf ausgelegt, dass automatisierte KI-Akteure rund um die Uhr agieren, ohne dass menschliche Kontrolle oder Pausen für Fehlerkorrekturen existieren. Martin erinnert an den Crash von 1987, der teilweise durch Program-Trades ausgelöst wurde, und sieht Parallelen in der heutigen Entwicklung.
Der Mensch im Mittelpunkt: Empathie und Authentizität
Trotz aller technischen Fortschritte bleibt der menschliche Faktor entscheidend. Empathische und authentische Finanzberater werden ihren Platz behaupten können. Zsolt Janos merkt an, dass viele "Null-Empathie-Jobs" in Callcentern bereits heute besser von KI-Systemen erledigt werden könnten. Der wirkliche Mehrwert eines Beraters liegt in der sensiblen, empathischen Kommunikation und der Fähigkeit, auf individuelle Kundenbedürfnisse einzugehen.
Die Gefahr besteht, dass Berater, die sich zu stark von KI-generierten Skripten oder Echtzeit-Hinweisen leiten lassen, ihre Authentizität verlieren könnten. "Man merkt genau, das ist einstudiert. Da rede ich wahrscheinlich lieber mit einem Chatbot als mit der Person," so Martin. Es gilt, KI als Unterstützung zu nutzen, aber den Kern der persönlichen, vertrauensvollen Beratung beizubehalten.
Die Transformation des Finanzberaters: Jetzt handeln!
Vom Skeptiker zum Anwender: Schnelle Adaption in der Praxis
Die Einstellung zur KI in der Finanzbranche hat sich rasant gewandelt. Zsolt Janos berichtet von einer Spezialistenrunde, bei der vor zwei Jahren 0% der Teilnehmer KI nutzten. Bei einer ähnlichen Runde vor einem Monat waren es bereits 90-100%. Die Hemmschwelle ist gesunken, da viele KI-Systeme wie Google Gemini oder Microsoft Copilot leicht zugänglich sind und oft schon automatisch integriert werden.
Microsoft investiert massiv und beschäftigt 6.000 Mitarbeiter, um Kunden dabei zu unterstützen, aus ihren KI-Experimenten tatsächliche Gewinne zu erzielen. Dies zeigt, dass es nicht nur um die Nutzung, sondern um die strategische Integration von KI in Geschäftsmodelle geht.
Die Zukunft der Beratung: Individuell und transparent
Ein zentraler Aspekt der KI-gestützten Zukunft ist die Individualisierung. Martin prognostiziert, dass Berater bald ihre Beratungssoftware an ihre persönlichen Abläufe anpassen können werden. "Jeder Berater kann sagen, ich berate so. Also wird die Reihenfolge so sein und der nächste Berater wird mit demselben System anders arbeiten können." Dies deutet auf sogenannte Open Source Modelle hin, die eine hohe Flexibilität ermöglichen.
Für Berater bedeutet dies, sich auf diese Systeme einzulassen und "grundfit" zu werden. Wer jetzt noch an "Zettelwirtschaft" festhält, läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Gleichzeitig ist Transparenz entscheidend. Versteckte Gebühren und intransparente Kommunikation haben in einer KI-gestützten, datengetriebenen Welt keinen Platz mehr. "Du kannst diese Themen nur mit Transparenz umsetzen," so Zsolt Janos.
Umgang mit Performance-Zahlen: Der Wunsch nach Klarheit
Kunden wünschen sich oft einfache, klare Antworten auf die Frage: "Ich habe 100 eingezahlt, wie viel habe ich heute?" Die Realität ist jedoch komplex. Martin demonstriert seinen Studenten, wie vier verschiedene Berechnungsmethoden für denselben Geschäftsfall zu Ergebnissen zwischen 10% und 18% pro Jahr führen können – eine Differenz von 80%, die dennoch "korrekt gerechnet" ist.
Der Kunde sucht nicht immer nur Sonnenschein, sondern den richtigen Status Quo. Ein guter Berater erklärt die Zusammenhänge und liefert realistische Werte, auch wenn diese temporär niedriger sind. Die Fähigkeit, diese Komplexität verständlich zu machen und dabei authentisch zu bleiben, wird ein Markenzeichen exzellenter Finanzberatung sein.
Fazit: Die Herausforderung annehmen
Die Diskussion zwischen Zsolt Janos und Martin macht deutlich: Die Künstliche Intelligenz wird die Finanzberatung in Österreich und Deutschland grundlegend verändern. Sie bietet immense Chancen für Effizienz, Individualisierung und eine verbesserte Kundenansprache. Gleichzeitig birgt sie Risiken in Bezug auf Datenhoheit, Systemstabilität und die soziale Dimension des Arbeitsmarktes.
Für Finanzberater ist es entscheidend, die Transformation aktiv mitzugestalten, sich auf neue Technologien einzulassen und die Potenziale der KI zu nutzen, ohne dabei die menschliche Komponente – Empathie, Authentizität und Vertrauen – zu vernachlässigen. Wer jetzt die Augen verschließt, riskiert, in eine Sackgasse zu geraten. Die Zukunft gehört jenen, die bereit sind, zu lernen, sich anzupassen und KI als mächtiges Werkzeug im Dienste des Kunden einzusetzen.
Möchten Sie Ihre Vermögensberatung zukunftssicher gestalten und von innovativen Ansätzen profitieren?
Informieren Sie sich jetzt über zukunftsorientierte Vermögensberatung!