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Ob Wirtschaftstrends, Kapitalmärkte oder gesellschaftliche Veränderungen - Zsolt Janos wird regelmäßig als Experte in TV-Sendungen eingeladen, um Entwicklungen einzuordnen und Zusammenhänge verständlich zu erklären.

23.05.2026  |  Zsolt und Martin‘s Talk

Zsolt & Martis Talk - Die unsichtbare Gefahr: Wenn die Zinsen das Wachstum killen!

Fünf Prozent Zinsen auf Staatsanleihen sind eine tickende Zeitbombe für den Aktienmarkt. Solange die Unternehmen wachsen, ...

Die in diesem Video besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung, da ich das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen kann. Wer sich aufgrund des in diesem Video Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten oder Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Ich kann keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des in diesem Video Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.

Zusammenfassung

Einen wunderschönen guten Abend aus der sich rasant wandelnden Finanzwelt! Am Abend des 20. Mai, kurz vor den mit Spannung erwarteten Nvidia-Zahlen und inmitten neuerlicher Spekulationen um Gespräche zwischen dem Iran und den USA, die den Ölpreis und die Zinsen beeinflussen, trafen sich Zsolt Janos und Martin zu einem tiefgehenden Gespräch über ein oft unterschätztes Thema: die unsichtbare Gefahr, wenn Zinsen das Wachstum killen.

Während Martin einen jungen französischen Weißwein genoss und Zsolt einen 20 Jahre alten Ron Centenario aus Costa Rica verkostete, wurde schnell klar: Das Thema Liquidität und Zinsen erfordert Ruhe und Erdung – und ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint.

Herausforderung steigender Zinsen: Eine globale Schuldenlast

Die Diskussion begann mit der aktuellen Zinslandschaft und Trumps wiederholtem Wunsch nach niedrigeren Zinsen. Ein Blick auf die Entwicklung zeigt ein klares Bild: Während Europa eine moderatere Zinsentwicklung erlebte, glichen die US-Zinsen in den letzten Jahren einer wahren Achterbahnfahrt. Aktuell liegen die 10-jährigen US-Anleihen bei 4,63 % und die 30-jährigen bei 5,17 % – beides oberhalb der als kritisch erachteten Marken von 4,5 % bzw. 5 % für die Aktienmärkte.

Martin, als ausgewiesener Anleihenspezialist, beleuchtete die gravierende globale Verschuldung: Wir überschreiten derzeit die Schwelle von 350 Billionen US-Dollar weltweiter Schulden. Diese verteilen sich auf:

  • Staaten: ca. 107 Billionen US-Dollar
  • Unternehmen: ca. 101 Billionen US-Dollar
  • Haushalte: ca. 67 Billionen US-Dollar

Die Auswirkungen dieser Verschuldung sind enorm. Eine Zinsanhebung von nur einem Prozentpunkt bedeutet zusätzliche 3,5 Billionen US-Dollar an jährlichen Zinszahlungen. Besonders kritisch wird dies, wenn man bedenkt, dass das weltweite BIP nur etwa ein Drittel dieser Gesamtverschuldung ausmacht. Hohe Zinsen wirken sich heute viel stärker wachstumshemmend aus als in den 70er-Jahren, da die Verschuldung damals deutlich geringer war.

Kapitalverwendung: Wer zahlt die Rechnung?

Zsolt Janos betonte, dass nicht nur die Höhe der Zinsen entscheidend ist, sondern vor allem die Frage, wofür das aufgenommene Kapital verwendet wird. Unternehmen sind in der Regel darauf bedacht, Schulden in produktives Kapital zu investieren, um Zinsen und Tilgung zu decken. Bei Privathaushalten ist dies gemischt, aber auch sie müssen irgendwann tilgen.

Am problematischsten ist die Situation bei Staaten. Hier fehlt oft die Kalibrierung auf Produktivität und Rückzahlung. Staaten neigen dazu, eine riesige Schuldenkugel vor sich herzuschieben, anstatt sie zu tilgen. Das Umschulden von historisch niedrig verzinsten Schulden zu den aktuellen, deutlich höheren Zinsen stellt viele Länder vor große Herausforderungen. Die Budgetkonsolidierung ist für Staaten ein "Kraftakt", da Gesetze, Versprechen und viele Stakeholder betroffen sind.

Die Ausgabe von hundertjährigen Anleihen, wie sie auch Österreich getätigt hat, wirft zudem moralische Fragen auf: Profitieren die jetzigen Generationen, während die Rückzahlung auf ferne, zukünftige Generationen abgewälzt wird, die davon nicht profitiert haben?

Liquidität als Lebenselixier der Märkte

Ein Kernpunkt der Diskussion war die Liquidität. Zsolt kritisierte die oft naive Vorstellung, dass bestimmte Anlagen "ganz sicher immer steigen" werden. Eine Preissteigerung setzt immer voraus, dass auf der anderen Seite genügend Käufer mit der nötigen Liquidität vorhanden sind. Fehlt diese Liquidität, kann kein Preis zustande kommen, egal wie hoch die Forderungen sind.

In Krisenzeiten, wie der Finanzmarktkrise 2008 oder der COVID-Pandemie, haben die Zentralbanken massiv interveniert, um die Märkte liquide zu halten. Durch sogenannte "Quantitative Easing"-Programme kauften sie illiquide Anleihen und andere Assets von Marktteilnehmern und pumpten so frisches Geld in das System. Mario Draghis berühmter Satz "Whatever it takes" aus dem Jahr 2011 fasste diese Entschlossenheit zusammen, das Vertrauen in den Markt wiederherzustellen.

Doch das Zurückziehen dieser Liquidität ist, wie Zsolt mit der "Zahnpasta-Analogie" bildlich darstellte, extrem schwierig. Die Unabhängigkeit der Zentralbanken ist dabei von entscheidender Bedeutung. Politische Einflussnahme, wie das Beispiel der Türkei und der Lira-Krise zeigte, kann katastrophale Folgen haben. Zudem wirken geldpolitische Maßnahmen erst mit einer Verzögerung von sechs bis sieben Monaten auf die Realwirtschaft.

Inflation und Energie: Paradoxien der aktuellen Wirtschaft

Die aktuelle Inflation ist vor allem angebotsseitig getrieben, primär durch Energieknappheit (z.B. durch die Straße von Hormus), und nicht durch eine übermäßige Nachfrage, die teilweise sogar sinkt. Der hohe Ölpreis kann paradoxerweise einen Segen für die Entwicklung alternativer Energien darstellen, da er Investitionen in Batterietechnologie und Solarenergie wieder rentabler macht.

Die Politik zeigt hier oft einen Zickzack-Kurs, der langfristige Planung erschwert, im Gegensatz zu Ländern wie China. Interessant ist auch der historische Vergleich des Ölpreises: Während man in den 60er-Jahren noch 16 Minuten für einen Liter Benzin arbeiten musste, sind es heute nur noch 6 Minuten. Dies deutet an, dass die Wirtschaft möglicherweise höhere Zinsen verkraften kann, als die "magischen" 4,5 % der 10-jährigen US-Anleihe vermuten lassen – immer unter Berücksichtigung der kritischen Verschuldungsquote von maximal dem Dreifachen der Wirtschaftsleistung.

Der Immobilienmarkt im Zins-Spannungsfeld

Der Immobilienmarkt ist ein Paradebeispiel für die Auswirkungen von Liquidität und Zinsen. Viele Immobilien dienen als Sicherheit für Kredite, und die Preissteigerungen wurden maßgeblich durch die Verfügbarkeit von Fremdkapital befeuert. Zsolt Janos fragt provokant: Was wäre, wenn morgen alle Kredite eingestellt würden? Die Preise müssten drastisch fallen.

Grundsätzlich gilt: Steigende Zinsen lassen Immobilienwerte tendenziell fallen, sinkende Zinsen lassen sie steigen – ähnlich wie bei Anleihen. Diese Logik trifft zu, solange Immobilien maßgeblich über Kredite finanziert werden. Die Nullzinsphase verleitete viele zu variablen Krediten und hoher Hebelwirkung, was nun viele Immobiliengesellschaften in Schwierigkeiten bringt, da Zinskosten steigen und Mietausfälle hinzukommen.

Die massive Inflation nach der Pandemie, ausgelöst durch Nachholeffekte und "geschenktes Geld" in Kombination mit Lieferkettenproblemen, hat die Situation zusätzlich verschärft. Die Frage, wohin die Liquidität in überschuldeten Immobiliengesellschaften versickert ist, bleibt oft unbeantwortet.

Liquidität: Funktion statt Rendite

Der verbreitete Irrglaube, Liquidität müsse zwangsläufig eine positive Rendite abwerfen, wurde von Zsolt Janos klar widerlegt: „Liquidität hat keine Ertragsfunktion, sondern eine Liquiditätsfunktion.“ Die populistische Aussage, "die Sparer werden enteignet", greift zu kurz. Wer bewusst Liquidität hält, um handlungsfähig zu bleiben und Chancen zu nutzen, sollte nicht automatisch einen Kaufkraftausgleich erwarten.

Selbst Investoren wie Warren Buffett halten strategisch große Mengen an Cash (Berkshire Hathaway: 400 Milliarden US-Dollar). Es geht darum, eine Balance zu finden: Nie 100 % investiert, aber auch nie 100 % uninvestiert zu sein. Liquidität ist ein Mittel zur Ruhe, zur Chancenwahrnehmung und zur Vermeidung von Erpressbarkeit.

Ein Blick auf den Anleihenmarkt

Der globale Anleihenmarkt mit einem Volumen von rund 28 Billionen US-Dollar ist gigantisch und wird von Investoren, Tradern, Arbitrageuren und ETFs belebt. Banken haben sich jedoch aufgrund der gestiegenen Eigenkapitalanforderungen (Stichwort Basel II/III) weitgehend aus dem Eigenhandel mit Anleihen zurückgezogen. Jeder Euro, den eine Bank in ihr Handelsbuch investiert, muss mit einem gewissen Eigenkapital unterlegt werden, was das Geschäft weniger attraktiv macht, insbesondere bei schlechter bewerteten Anleihen.

Die Finanzkrise 2008 zeigte die extreme Illiquidität des Anleihenmarktes, als niemand mehr Preise stellen wollte und der Handel praktisch zum Erliegen kam.

Fazit: Liquidität verstehen, Vermögen schützen

Die Diskussion zwischen Zsolt Janos und Martin unterstreicht die fundamentale Bedeutung der Liquiditätsfrage an den Finanzmärkten. Sie wird oft verdrängt, ist aber für jeden Anleger entscheidend. Bei Kaufentscheidungen und überzogenen Versprechen über "sicher steigende" Anlagen ist es unerlässlich, den gesunden Menschenverstand zu nutzen und sich zu fragen: Wer wird wann, woher und warum die Liquidität haben, um mich auszuzahlen?

Es gibt keine Generalformel, da die individuelle Situation jedes Anlegers zählt. Doch das Bewusstsein für diese Mechanismen und die Wichtigkeit einer gewissen Liquidität, um Assets bei Bedarf zu verkaufen und zu Geld zu machen, ist von unschätzbarem Wert.

Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie Sie Ihr Vermögen in einem sich ständig wandelnden Umfeld optimal strukturieren und die Liquiditätsfrage strategisch für sich nutzen können? Zsolt Janos und sein Team stehen Ihnen für eine individuelle Beratung zur Verfügung.

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