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Im Podcast Aus dem Cafésatz spricht Zsolt Janos über tägliche Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Komplexe Zusammenhänge werden klar, nachvollziehbar und mit langjähriger Erfahrung auf den Punkt gebracht.

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28.04.2026

Petrodollar am Abgrund? Wenn Trump die Straße von Hormus aufgibt

Heute geht es um ein geopolitisches Beben: Die Straße von Hormus brennt, und mit ihr wackelt das Fundament der US-Macht – der Petrodollar. Seit Jahrzehnten sichert die US-Marine die Ölwege, damit die Welt in Dollar zahlt. Doch Donald Trumps Kurs im Iran-Konflikt wirft eine radikale Frage auf: Was passiert, wenn die USA die Kontrolle über dieses Nadelöhr verlieren oder aufgeben? Wenn der Iran Gebühren in Krypto verlangt und China den Petroyuan pusht, steht mehr als nur der Ölpreis auf dem Spiel. Es geht um das Ende des Dollars als Weltreservewährung. Wir analysieren heute: Setzt Trump gerade das ‚exorbitante Privileg‘ Amerikas aufs Spiel?

Die im Podcast besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung. Der Vortragende kann das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen. Wer sich aufgrund des im Podcast Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten / Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Der Vortragende kann daher keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des im Podcast Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.

Zusammenfassung

Petrodollar am Scheideweg? Trumps Strategie und die Zukunft des US-Dollars

Die Finanzwelt ist ein komplexes Geflecht aus Wirtschaft, Geopolitik und Spekulationen. In einer aktuellen Diskussion beleuchtet der Finanzexperte Zsolt Janos, wie scheinbar isolierte Ereignisse weitreichende Konsequenzen für den globalen Kapitalmarkt und die Bedeutung des US-Dollars haben können. Von Währungsschwankungen bis hin zu geopolitischen Machtspielen – wir tauchen ein in die aktuellen Fragen, die Anleger in Deutschland und Österreich beschäftigen.

US-Dollar und Ihre Anlagen: Mehr als nur eine Währung?

Eine häufig gestellte Frage von Anlegern betrifft die Auswirkungen eines schwächer werdenden US-Dollars auf ihre in US-Dollar notierten Anlagen. Hier ist eine wichtige Unterscheidung zu treffen:

  • Währungshaltung vs. Realwirtschaftsinvestition: Wenn Sie lediglich Geld in einer Fremdwährung halten, partizipieren Sie direkt an deren Auf- oder Abwertung. Wertet der US-Dollar ab, verlieren Sie als Euro-Anleger an Wert.
  • Investition in die Realwirtschaft: Sind Ihre Gelder jedoch in US-amerikanische Unternehmen investiert, profitieren diese oft sogar von einem schwächeren US-Dollar, da ihre Produkte auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger werden. In diesem Fall ist der US-Dollar primär eine Abrechnungseinheit. Ihre tatsächliche Anlage in der Realwirtschaft kann diese Währungseffekte kompensieren oder sogar übertreffen.

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Während in Ländern mit stark schwankenden Währungen, wie beispielsweise Ungarn, Währungsspekulationen eine größere Rolle spielen, liegt der Fokus für Anleger im Euroraum oft auf der langfristigen Wertentwicklung ihrer Investitionen in die Realwirtschaft.

Die Gefahr der US-Dominanz im Portfolio

Ein weiteres Thema, das Zsolt Janos anspricht, ist die hohe Amerika-Lastigkeit vieler globaler Indizes wie des MSCI World, der oft eine 70-prozentige Abhängigkeit von der US-Wirtschaft aufweist. Solange die Kurse steigen, wird dieses Risiko oft ausgeblendet. Für Anleger ist es jedoch unerlässlich, sich dieses Klumpenrisikos bewusst zu werden und zu hinterfragen, wie stark man von der Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft abhängig sein möchte.

Trumps Fokus: Vom Ölpreis zur Atomgefahr

In der Vergangenheit legte Donald Trump bei seinen Handlungen stets großen Wert auf die Entwicklung des Ölpreises und der Aktienmärkte. Man sprach vom "Trump Put" oder "Fed Put", was eine implizite Absicherung der Märkte durch politische Interventionen suggerierte. Doch nun scheint sich sein Fokus zu verlagern.

Auf wiederholte Fragen nach einem Ölpreis von über 200 US-Dollar oder dauerhaft hohen Benzinpreisen, antwortete Trump wiederholt: „Viel schlimmer ist es, wenn der Iran die Atombombe besitzt, weil dann nicht nur die Region dort, sondern die gesamte Welt in Gefahr ist.“ Dies deutet auf eine Verschiebung seiner Prioritäten hin, weg von rein ökonomischen Überlegungen hin zu sicherheitspolitischen Bedrohungen.

Trotzdem glaubt Zsolt Janos nicht, dass Trump den Ölpreis komplett aufgeben wird. Die US-Wirtschaft, gestützt durch die Entwicklung in den Bereichen Tech und KI, scheint derzeit einen Puffer zu bieten, der es den USA erlaubt, auch bei geopolitischen Aktionen eine gewisse Stabilität zu wahren. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Rolle des Petrodollars.

Der Petrodollar: Eine Säule der globalen Finanzwelt

Die Geburt eines Systems

Die Geschichte des Petrodollars beginnt nach dem Jom-Kippur-Krieg 1973. Als arabische Ölstaaten als Reaktion auf die westliche Unterstützung Israels die Ölförderung drosselten und die Preise um bis zu 400 Prozent in die Höhe trieben, wurde die immense Abhängigkeit der Welt vom Öl schmerzlich bewusst. In dieser Krise, nachdem der US-Dollar bereits vom Goldstandard abgekoppelt war, entwickelte der damalige US-Außenminister Henry Kissinger eine geniale Strategie:

1974 unterbreitete er Saudi-Arabien ein Angebot:

  • Die USA würden den Golfstaaten absolute Sicherheit und Schutz bieten (gegen Israel, Hisbollah, Iran, Syrien).
  • Im Gegenzug dürften die Saudis unbegrenzt Waffen aus Amerika kaufen.
  • Als Kernpunkt des Abkommens verpflichteten sich die Saudis, Öl ausschließlich in US-Dollar zu handeln.
  • Zusätzlich sollten die daraus erzielten Gewinne als Liquidität in amerikanischen Staatsanleihen geparkt werden.

Saudi-Arabien nahm an, und damit war der Petrodollar geboren. Dieses Abkommen weitete sich auf die gesamte OPEC aus und festigte die Position des US-Dollars als wichtigste Reservewährung weltweit. Da alle Länder Öl benötigen, benötigen sie auch US-Dollar als Reserve, um es zu kaufen. Daher halten die meisten Zentralbanken weltweit durchschnittlich zwei Drittel ihrer Währungsreserven in US-Dollar.

Gefahren und Herausforderungen für den Petrodollar

Die Vorherrschaft des Petrodollars ist jedoch immer wieder Bedrohungen ausgesetzt:

  • Straße von Hormus: Die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran verdeutlicht die globale Abhängigkeit vom Öl und schafft Probleme für Golfstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate. Ohne Ölexporte fehlen ihnen die dringend benötigten US-Dollar-Einnahmen, die sie für den Kauf globaler Güter benötigen. Dies führte bereits zu kurzfristigen Kreditlinienanträgen bei den USA und der Drohung, Öl in chinesischem Yuan zu verkaufen.
  • Der chinesische Yuan: Obwohl der Yuan als Konkurrenzwährung immer wieder ins Spiel gebracht wird, ist sein Anteil am weltweiten Ölhandel mit 3 bis 3,5 Prozent im Vergleich zu 89 bis 90 Prozent des US-Dollars noch verschwindend gering.
  • Historische Herausforderer: Länder wie der Irak unter Saddam Hussein, Libyen unter Gaddafi oder Venezuela versuchten in der Vergangenheit, Öl nicht mehr in US-Dollar zu fakturieren, sondern in anderen Währungen (Yuan, Euro). Diese Versuche wurden von den USA oft militärisch beantwortet, um die Vormachtstellung des Petrodollars zu sichern.

Die Frage, ob Donald Trump die Straße von Hormus aufgeben und damit dem Iran Einnahmen zugestehen würde, ist von immenser Bedeutung. Eine solche Entscheidung könnte die Hegemoniestellung der USA und die starke Bindung des US-Dollars an das Öl ernsthaft gefährden. Allerdings gibt es drei Länder, die die USA militärisch nicht so leicht in die Knie zwingen können: Russland, China und der Iran. Dies macht das Reizen des Irans aus amerikanischer Sicht besonders heikel.

Obwohl immer wieder über die Beständigkeit des Abkommens mit Saudi-Arabien spekuliert wird, ist Zsolt Janos überzeugt, dass die USA ihre Vormachtstellung im Ölhandel und die Rolle des US-Dollars nicht leichtfertig aufgeben werden. Eine Ablösung des Petrodollars ist ein Prozess, der, wenn überhaupt, nur langfristig stattfinden kann.

Fazit

Die Diskussion um den Petrodollar und die Rolle des US-Dollars zeigt, wie eng Finanzmärkte, Geopolitik und globale Machtstrukturen miteinander verknüpft sind. Während kurzfristige Währungsschwankungen Anleger verunsichern können, ist die langfristige Anlage in der Realwirtschaft und das Bewusstsein über geopolitische Risiken entscheidend. Die Dominanz des Petrodollars, historisch gewachsen und militärisch gesichert, bleibt vorerst eine feste Größe im globalen Finanzsystem, auch wenn sich die Prioritäten politischer Führer verschieben mögen.

Sie möchten Ihre Anlagestrategie angesichts dieser globalen Entwicklungen überprüfen und optimieren? Zsolt Janos und sein Team unterstützen Sie dabei, fundierte Entscheidungen für Ihr Vermögen zu treffen.

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