Podcast
Im Podcast Aus dem Cafésatz spricht Zsolt Janos über tägliche Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Komplexe Zusammenhänge werden klar, nachvollziehbar und mit langjähriger Erfahrung auf den Punkt gebracht.
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10.03.2026
Die Märkte zwingen Trump zur Reaktion
Ein Tweet am Wochenende, eine Drohung am Montagmorgen – und die Weltbörsen halten den Atem an. Doch das Spiel hat sich gedreht. Es ist nicht mehr nur Trump, der die Märkte vor sich hertreibt; die Märkte fangen an, zurückzuschlagen. Mit steigenden Zinsen, die die US-Schuldenlast unbezahlbar machen, und einem Ölpreis, der jede Inflationsprognose sprengt, steht der Präsident mit dem Rücken zur Wand. In der heutigen Folge fragen wir: Ist das die Grenze seiner Macht? Trump unter dem Diktat von Kapital und Rohöl.
Die im Podcast besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung. Der Vortragende kann das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen. Wer sich aufgrund des im Podcast Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten / Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Der Vortragende kann daher keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des im Podcast Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.
Zusammenfassung
Die Märkte zwingen Trump zur Reaktion
Schönen guten Morgen! Auch an die Skifahrer unter Ihnen, die vielleicht gerade ihren Saisonabschluss feiern. Das Wetter ist fantastisch, und die Schneeverhältnisse sind wahrscheinlich auch noch gut. Bevor ich in zwei Wochen meinen eigenen Saisonabschluss in der Schweiz habe, beobachte ich die Lage dort genau. Ich hoffe auf etwas Neuschnee und Sonnenschein.
Extreme Schwankungen am Ölmarkt
Gestern früh habe ich noch eine Podcast-Folge mit den asiatischen Ölpreisen bei fast 120 Dollar aufgenommen. Im Laufe des Tages wurde ich darauf angesprochen, dass diese Preise nicht mehr aktuell seien. Tatsächlich haben wir innerhalb von 24 Stunden eine beispiellose Bewegung am Ölmarkt erlebt. Seit 1983, seit es die WTI-Ölkontrakte gibt, gab es keinen vergleichbaren Anstieg von 36 Prozent innerhalb einer Woche. Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg auf über 120 Dollar im asiatischen Markt schloss der US-Markt gestern Abend unter 88 Dollar. Heute Morgen um 6 Uhr liegt der Ölpreis bei knapp 90 Dollar, fallend. Diese Schwankungen sind enorm und machen es notwendig, sich im Vorfeld Gedanken über mögliche Szenarien zu machen.
Trumps Einfluss auf Ölpreis und Aktienmärkte
Ein entscheidender Faktor für den Rückgang des Ölpreises ist die Intervention von Donald Trump. Sowohl die Aktienmärkte als auch der Ölpreis sind für ihn von großer Bedeutung, da sie seine Zustimmungswerte und die Wahrscheinlichkeit seiner Wiederwahl beeinflussen. Er weiß genau, dass er die Wahlen und die Zustimmungswerte bei zwei Faktoren in der Hand hat oder verlieren kann. Einerseits beim Ölpreis, bei der Tankstelle und andererseits bei bei den Wertpapieren und bei den aktuellen Kursen.
Nachdem aus dem Iran die Aussage kam, dass man sich über einen Ölpreis von 200 Dollar freuen würde, erklärte sich Trump kurzerhand zum Sieger. Die Märkte reagieren sofort auf solche Meldungen mit starken Bewegungen. Es ist wichtig, sich nicht von diesen Nachrichten mitreißen zu lassen.
Die Informationsflut und ihre Auswirkungen
Oft hört man, dass die Welt so unsicher wie nie zuvor sei. Dabei sollte man bedenken, dass die Nachrichtenlage intensiver, schneller und überbordender ist als je zuvor. Die Algorithmen der Social Media Kanäle verstärken diese Entwicklung, indem sie immer mehr Vorschläge aus dem gleichen Segment liefern. Dadurch verengt sich die eigene Sichtweise, anstatt sich zu erweitern.
Die OPEC Plus und die Straße von Hormuz
Die Aussage, dass die OPEC Plus-Staaten die Ölfördermengen hochfahren werden, um Ausfälle zu kompensieren, ist problematisch. Viele OPEC-Staaten müssen ihre geförderten Ölmengen über die Straße von Hormuz transportieren. Wenn diese blockiert ist, hilft es nichts, die Fördermenge zu erhöhen. JP Morgan warnt davor, dass das Herunterfahren von Ölanlagen nicht wie ein Lichtschalter funktioniert. Es dauert sehr lange, bis die Produktion wieder hochgefahren werden kann.
Zentralbanken und Versorgungsengpässe
Die Zentralbanken können bei Versorgungsengpässen und steigender Inflation nur bedingt helfen. Niedrigere Zinsen lösen keine Lieferengpässe. Auch die Freigabe strategischer Ölreserven durch die G7 ist fraglich, da Trump in der Vergangenheit viele dieser Staaten kritisiert hat. Es ist unwahrscheinlich, dass sie ihn jetzt unterstützen werden, um den Ölpreis zu senken.
Trumps Aussagen und die Realität
Trumps Aussage, dass der Konflikt nur ein kurzer Ausflug war und bald beendet sei, steht im Widerspruch zu Meldungen aus dem Iran, die diese Aktion als "epischen Fehler" bezeichnen. Es ist fraglich, ob der Iran die Situation genauso sieht wie Trump. Auch die Rolle Israels ist in diesem Zusammenhang nicht zu unterschätzen. Die Radikalen sitzen fester im Sattel als je zuvor. Der Nachfolger des Mullahs ist der Sohn von Khamenei geworden. Es ist fraglich, ob dieser bereit ist, mit den Amerikanern Deals einzugehen.
Die Straße von Hormus bleibt ein Risikofaktor
Solange die Straße von Hormus blockiert ist, bleibt die Situation angespannt. Der iranische Außenminister hat bereits gewarnt, dass Tanker, die dort durchfahren, äußerst vorsichtig sein sollten. Selbst die Aussage von Trump, dass die US Navy die Straße von Hormuz absichern wird, ist angesichts der Schwierigkeiten im Roten Meer mit den Huthis zu relativieren. Viele Reedereien fahren bereits um Afrika herum, um den Suezkanal zu meiden. Neben dem Ölpreis ist auch LNG (Flüssiggas) von dieser Thematik betroffen. Europa hat seit Putins Angriff auf die Ukraine stark auf Flüssiggas umgesattelt. Die Frage, wie es mit der Straße von Hormus weitergeht, bleibt also bestehen.
Szenarien und Wahrscheinlichkeiten
Es gibt mehrere Szenarien, wie sich der Konflikt entwickeln könnte. Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass der Konflikt kürzer dauert als von den Märkten eingepreist wurde. Grund dafür ist, dass Trump jederzeit in der Lage ist, aufzustehen und sich zum Sieger zu erklären.
Ein Regimewechsel im Iran ist weniger wahrscheinlich, insbesondere nach der Ernennung von Chameneis Sohn. Eine massive Ausweitung des Konflikts ist ebenfalls möglich, da der Iran versucht, den Schmerz nicht nur für die Amerikaner, sondern für die ganze Welt zu erhöhen.
Fazit
In solchen Phasen ist es wichtig, eine klare Strategie zu haben und antizyklisch zu agieren. Das bedeutet, immer dann zu kaufen, wenn die Kurse tiefer sind. Das klingt einfach, ist aber schwer, da fallende Kurse meist einen Grund haben. Wer eine Strategie hat, lässt die Idee, immer zum Höchstpreis verkaufen und immer zum Tiefstpreis kaufen zu wollen, los und erkennt, dass die Suche nach dem idealen Ein- und Ausstiegszeitpunkt Nonsens ist.
Ich werde die Entwicklungen am Markt weiterhin beobachten. Solche Phasen sind für all jene, die keine klare Strategie haben, nervenaufreibend. Es ist wichtig, antizyklisch zu agieren, also immer dann zu kaufen, wenn die Kurse mal tiefer sind. Klingt so einfach, ist aber sehr schwer. Warum? Naja, wenn die Kurse unten sind, dann hat das meist einen Grund, nämlich meist Verkauf und dementsprechende Stimmung rundherum. Und wenn da nicht eine klare Strategie da ist, dann hat man die Hose voll und kauft nicht. Das Interessante ist, wer tatsächliche Strategien hat und damit arbeitet, der lässt diese Idee immer zum Höchstpreis verkaufen und immer zum Tiefstpreis kaufen zu wollen weg und kommt drauf, dass diese Suche nach dem idealen Ein und Ausstiegszeitpunkt Nonsens ist. Dann ist die Strategie da und dann ist dieses Timen und dann davor sitzen und dann zum besten Zeitpunkt anlegen und kaufen und Angst haben ist in den meisten Fällen dann auch schon relativ gut gelöst.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und vorsichtig auf der Skipiste. Ich freue mich, wenn wir uns morgen wiederhören.
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