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Im Podcast Aus dem Cafésatz spricht Zsolt Janos über tägliche Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Komplexe Zusammenhänge werden klar, nachvollziehbar und mit langjähriger Erfahrung auf den Punkt gebracht.

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24.08.2026

Die wichtigste unsichtbare Kraft an der Börse

Stell dir vor, du willst dein Auto verkaufen – und zwar jetzt sofort, innerhalb der nächsten fünf Minuten, zum absolut fairen Preis. Unmöglich, oder? An der Börse machen wir aber genau das jeden Tag mit Aktien. Warum das bei Apple-Aktien sekundenschnell klappt, bei einer Immobilie oder einem Oldtimer aber Monate dauert, liegt an einem der wichtigsten Begriffe der Finanzwelt: Liquidität.

Die im Podcast besprochenen Inhalte dienen NUR zu allgemeinen Informationszwecken und stellen unter keinen Umständen eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Anlagen dar und sind somit keine Anlageberatung. Der Vortragende kann das Risikoprofil und die finanzielle Situation einzelner Zuhörer nicht einschätzen. Wer sich aufgrund des im Podcast Besprochenem zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten / Vermögenswerten entscheidet, tut diese aus eigener Entscheidung und auf eigene Gefahr. Der Vortragende kann daher keine Haftung übernehmen, wenn Sie aufgrund des im Podcast Gesagtem eigene Anlageentscheidungen treffen und dadurch Verluste erleiden.

Zusammenfassung

Die wichtigste unsichtbare Kraft an der Börse: Liquidität verstehen

Der Finanzmarkt gleicht einem komplexen Ökosystem, in dem zahlreiche Kräfte wirken. Doch eine davon ist so grundlegend und allgegenwärtig, dass sie oft übersehen wird: die Liquidität. Sie ist die unsichtbare Säule, die unsere Wirtschaftsmechanismen am Laufen hält und die Bewegung in den Kapitalmärkten erst ermöglicht. Zsolt Janos beleuchtet in dieser Analyse, warum Liquidität nicht nur ein Fachbegriff ist, sondern die entscheidende Frage für Anleger und die gesamte Wirtschaft.

Was ist Liquidität? Eine grundlegende Definition

Der Begriff Liquidität stammt vom lateinischen „liquidus“ ab und bedeutet im Kontext des Kapitalmarktes, dass Geld, Ware, Nachfrage und Angebot in ausreichendem Maße vorhanden sind und aufeinandertreffen. Ist dies der Fall, ist unser Wirtschaftssystem „flüssig“ und beweglich genug, um Transaktionen zu ermöglichen.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten im Supermarkt Milch kaufen. Wenn genügend Milch (Angebot) vorhanden ist und ausreichend Menschen Milch kaufen wollen (Nachfrage), funktioniert dieser Markt reibungslos. Es bildet sich ein fairer Preis, Bauern produzieren, Supermärkte verkaufen – ein liquider Markt.

Wenn der Markt stockt: Die Gefahren von Illiquidität

Was aber, wenn die Liquidität fehlt? Zsolt Janos erinnert sich an seine Kindheit in Rumänien, wo der Versorgungsmarkt oft illiquid war, meist auf der Angebotsseite. Menschen hatten zwar Bedürfnisse, aber es gab keine Produkte. Gerüchte über eine „Verteilung“ ließen Schlangen entstehen, oft ohne Ergebnis. Dies zeigt drastisch, wie ein Mangel an Angebot oder eine Störung der Verfügbarkeit ganze Märkte lahmlegen kann.

Ein anderes Beispiel: Ein Gerücht über ungesunde Bakterien in der Milch könnte die Nachfrage auf Käuferseite einfrieren. Obwohl weiterhin Milch verfügbar ist, bleiben die Käufer aus. Supermärkte können nicht verkaufen, Bauern können nicht liefern, der Bestand an Kühen wird reduziert. Selbst wenn sich das Gerücht später als falsch erweist, braucht es Zeit, bis sich der Markt wieder erholt. In der Zwischenzeit steigen die Preise, da die Nachfrage wieder anzieht, das Angebot aber noch gering ist. Dieser Preisanstieg kann zur Inflation beitragen.

Liquidität, Inflation und Zinspolitik

Die oben beschriebene Situation zeigt einen wichtigen Unterschied auf: Entsteht Inflation aufgrund eines Versorgungsengpasses (Angebotsseite), wäre eine Zinserhöhung, wie sie Notenbanken zur Inflationsbekämpfung einsetzen, kontraproduktiv. Sie würde Kredite verteuern und es den Bauern erschweren, ihren Kuhbestand wieder aufzubauen. In solchen Fällen wären niedrigere Zinsen zur Förderung des Angebots sinnvoller.

Liquidität im Immobilienmarkt: Von der Studenten-WG zur Luxusvilla

Die Bedeutung von Liquidität zeigt sich auch deutlich im Immobilienbereich:

  • Eine Studenten-WG in Lissabon findet schnell Mieter, da es viele Studenten (Nachfrage) und ein gutes Angebot gibt. Der Markt ist hier sehr liquide.
  • Eine Luxusvilla hingegen kann Jahre leer stehen. Es gibt weniger potenzielle Mieter, die zudem sehr kritisch sind. Hier ist der Markt für hochpreisige Objekte weniger liquide.

Gerade in Österreich hat sich die Liquidität im Immobilienmarkt in den letzten Jahren drastisch verändert. War sie früher als sicher angenommen, ist das Geld der Anleger heute weniger im Immobilienmarkt zu finden. Gründe dafür sind:

  • Zinsanstieg: Geringe Zinsen auf Staatsanleihen trieben Anleger in Immobilien, um Mieterträge zu erzielen. Mit steigenden Zinsen wurden Anleihen wieder attraktiv, das Geld zog sich ab.
  • Finanzierungskosten: Immobilienentwickler, die oft mit Krediten arbeiten, sahen ihre Finanzierungskosten extrem steigen. Dies verteuerte Projekte zusätzlich und reduzierte die Käuferbasis.

Die Folge: Immobilienfonds setzen den Handel aus, Verkäufe sind nur schwer oder mit erheblichen Abschlägen möglich. Spekulanten nutzen diese Situation, um Objekte mit 60-70 Prozent Abschlag zu kaufen, in der Hoffnung auf eine Markterholung in einigen Jahren.

Warum Liquidität für Anleger entscheidend ist

Für Anleger ist Liquidität von größter Bedeutung, denn sie sichert die Fähigkeit, nicht nur zu kaufen, sondern auch wieder zu verkaufen. Zsolt Janos betont: „Wir können fast alles kaufen [...]. Die meisten Menschen würden aber gerne später dann diese Ware, diese Dienstleistung, diese Produkte wieder zurücktauschen in Geld und da ist die ist dann genug Geld da, damit ich das wieder rausbekomme.“ Ohne ausreichend Liquidität im Markt können Anleger ihre Investments nicht oder nur mit großen Verlusten veräußern.

Geopolitik und Liquidität: Der Fall der Straße von Hormuz

Auch geopolitische Ereignisse beeinflussen die Liquidität. Ist die Straße von Hormuz blockiert, können Golfstaaten ihr Öl (flüssig und in ausreichender Menge vorhanden) nicht exportieren. Auf dem Weltmarkt entsteht ein Versorgungsengpass, die Preise steigen. In den Golfstaaten hingegen brechen die Preise zusammen, da das Öl nicht gelagert werden kann und die Förderanlagen weiterlaufen müssen. Ohne Abnehmer müssen die Anlagen irgendwann abgeschaltet werden, was weitreichende Folgen hätte.

Die Tücken illiquider Produkte

Anleger sollten sich der Risiken illiquider Produkte bewusst sein. Das sind Produkte, die nicht permanent gehandelt werden, sondern über eine feste Laufzeit verfügen und erst am Ende eine Rückzahlung versprechen. Wer dazwischen aussteigen möchte, steht oft vor großen Problemen, wie die aktuellen Entwicklungen im österreichischen Immobilienfondsmarkt zeigen.

Staatliche Interventionen und ihre Folgen

Die Bedeutung von Liquidität ist auch Regierungen bewusst. Das amerikanische Finanzministerium kündigte an, die Anleihenrückkäufe von 2 auf 4 Milliarden Dollar oder mehr zu erhöhen. Diese Maßnahme, die ab September bis November umgesetzt wird, bedeutet, dass neues Geld und damit Liquidität in die Anleihenmärkte fließt. Allein die Ankündigung beruhigte die Märkte und führte zu einem Anstieg vieler Anlageklassen.

Interessanterweise reagieren Anlageklassen wie Bitcoin oder Gold oft anders auf solche Liquiditätsspritzen. Marktteilnehmer, die staatliche Liquiditätsmaßnahmen kritisch sehen und darin keine Lösung für grundlegende Probleme (wie die Verschuldung) erkennen, flüchten in diese alternativen Anlagen, die als Schutz vor Inflationsrisiken oder Währungsentwertung gelten.

Das Fazit: Liquidität – die unsichtbare Säule unserer Wirtschaft

Liquidität ist weit mehr als ein abstrakter Finanzbegriff. Sie ist die treibende Kraft hinter allen wirtschaftlichen Transaktionen, der Puls, der die Kapitalmärkte am Leben erhält. Zsolt Janos betont zu Recht, dass sie die Grundlage für alles ist. Ein tiefes Verständnis von Liquidität hilft Anlegern, fundierte Entscheidungen zu treffen und die Risiken illiquider Investments zu erkennen.

Für die meisten Menschen bleibt das Konzept der Liquidität schwer greifbar, doch ihre Auswirkungen sind allgegenwärtig – von der Milch im Supermarkt bis hin zu globalen Ölmärkten und der Stabilität Ihrer Geldanlage. Wer sie versteht, versteht die wichtigste unsichtbare Kraft an der Börse.

Haben Sie Fragen zu Liquidität, Anlagestrategien oder Ihrer persönlichen Finanzplanung? Ich lade Sie herzlich ein, sich an mich zu wenden.

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